Unbeirrt von der Schelte aus der CSU-Spitze drängen die Grünen auf einen großzügigen Familiennachzug von Flüchtlingen – und machen dies zu "eine der zentralen Fragen" der anstehenden Verhandlungen für eine Jamaika-Koalition. Anders als die Union wollen die Grünen Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus den Nachzug ihrer nahen Verwandten ab dem kommenden Jahr ermöglichen. "Wir finden, die Familien gehören zusammen, sonst kann man sich hier nicht integrieren", sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Sie reagierte damit auf Äußerungen von CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt hatte: "Wir werden keine linken Spinnereien dulden." Die Grünen müssten akzeptieren, dass ihre Chance darin bestehe, einer bürgerlichen Regierung von CDU, CSU und FDP beizutreten. Göring-Eckardt konterte in den gleichen Zeitungen: "Es ist nicht besonders klug, über die Identität möglicher zukünftiger Partner noch vor dem ersten gemeinsamen Gespräch herzuziehen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will ab der kommenden Woche mit FDP und den Grünen gemeinsam verhandeln – zunächst in getrennten Gesprächen und dann am Freitag mit beiden zusammen. "Das ist eine ganz wichtige Geschichte, zu versuchen, eine stabile Regierung für Deutschland zu bilden", appellierte CSU-Chef Horst Seehofer an das Verantwortungsbewusstsein der Beteiligten, sagte aber auch, wenn es keine "vernünftigen Ergebnisse" gebe, "dann kann man halt nicht einer Regierung beitreten".

"Zu Verhandlungsrunden in Kompaniestärke"?

Uneins sind sich die möglichen Koalitionäre allein schon bei der Frage nach der Größe ihrer Sondierungsgruppen. So stellt die CDU 18 Vertreter, die Grünen wollen 14 entsenden – und Bayerns Ministerpräsident Seehofer kündigte an, ein elfköpfiges Team in die Gespräche zu schicken. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki sagte dazu dem Magazin Focus: "Ich halte es für einen Kardinalfehler, in den Verhandlungsrunden in Kompaniestärke anzutreten. Das ist nicht vertrauensbildend und keine Grundlage für gute und vertrauliche Verhandlungen." Die Liberalen wollen lediglich mit einem halben Dutzend Personen an den Gesprächen teilnehmen.