CSU - Junge Union fordert Seehofers Rücktritt Die Junge Union hat sich bei ihrer Landesversammlung in Erlangen für eine neue Parteispitze der CSU ausgesprochen. Als möglicher Kandidat gilt der bayerische Finanzminister Markus Söder. © Foto: Axel Schmidt/Reuters

Die bayerische Junge Union (JU) stellt sich offen gegen CSU-Chef Horst Seehofer und fordert einen Rückzug des 68-Jährigen spätestens im kommenden Jahr. Ein Antrag, in dem mit Blick auf die Landtagswahl 2018 ein "personeller Neuanfang" gefordert wird, wurde von einer Landesversammlung des Unionsnachwuchses am Samstag in Erlangen mit deutlicher Mehrheit angenommen.

"Für einen Erfolg bei der Landtagswahl im kommenden Jahr braucht es einen glaubwürdigen personellen Neuanfang", heißt es in dem Antrag der Jungen Union wörtlich. Und weiter: "Bei allen Verdiensten, die sich Horst Seehofer zweifellos in vielen Jahrzehnten für die CSU, Bayern und Deutschland erworben hat, muss er jetzt den Weg bahnen für einen geordneten Übergang an der Spitze der Staatsregierung."

Seit dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl steht Seehofer intern unter Druck. Forderungen nach einer Ablösung waren bereits aus drei der zehn CSU-Bezirksverbände nach nicht öffentlichen Gremiensitzungen laut geworden. Die JU-Versammlung ist das erste große Gremium, das sich öffentlich gegen Seehofer stellt.

Seehofer hält Söder für ungeeignet

Seehofer hatte bisher erklärt, sich zur Wiederwahl als Parteichef stellen zu wollen und die CSU als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im Herbst 2018 zu führen. Er hat in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht, dass er Bayerns Finanzminister Markus Söder als Nachfolger für ungeeignet hält. Die Christsozialen, die bei der Bundestagswahl mit 38,8 Prozent der Stimmen in Bayern ihr schwächstes Wahlergebnis seit fast 60 Jahren verzeichneten, bangen um die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag.

Offiziell, unter anderem vom CSU-Vorstand, war die Personaldebatte angesichts der laufenden Jamaika-Gespräche in Berlin vertagt worden. Spätestens beim Parteitag im Dezember soll sie nachgeholt werden.

Seehofer hätte eigentlich an diesem Samstag bei der JU-Landesversammlung sprechen sollen, sagte aber am Freitag kurzfristig ab. Er entschuldigte dies mit den Jamaika-Gesprächen. Er sei "in historisch bedeutsamen Verhandlungen", sagte er zur Begründung. "Da darf kein Fehler passieren. Da muss man sich sehr vorbereiten."

Auf die Frage, ob er nicht am Sonntag zum Nachwuchs nach Erlangen hätte fahren können, sagte er: "Am Sonntagvormittag haben sie ja einen Redner, den ich nicht verdrängen möchte – Sie kennen den Namen." Gemeint ist Söder, der als aussichtsreichster Kandidat für die Seehofer-Nachfolge gilt.

Mitglieder der Jungen Union gehören zwar nicht automatisch der CSU an, haben aber in vielen Fällen beide Mitgliedschaften. Auf dem Parteitag, der Mitte Dezember turnusmäßig den Parteivorstand neu wählt, sind nach JU-Angaben von insgesamt rund 950 Delegierten rund 150 gleichzeitig JU-Mitglieder.