Nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche hat der stellvertretende Parteichef der FDP eine Hinwendung zum Rechtspopulismus ausgeschlossen. "Sie werden nie erleben, dass Freie Demokraten mit antidemokratischen und rassistischen Ressentiments spielen. Nie!", sagte Wolfgang Kubicki der ZEIT. Die FDP werde unter Parteichef Christian Lindner nicht dem österreichischen ÖVP-Chef Sebastian Kurz nacheifern und sich zu einer rechtspopulistischen Bewegung entwickeln.

Die politische Bewegung En Marche des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hält Kubicki hingegen für ein Vorbild: "Man kann ja heute sehen, wie schnell Volksparteien auf eine rudimentäre Größe zusammenschrumpfen können, und wie schnell Bewegungen, wenn sie einen Spirit haben, Leute begeistern können." Entscheidend sei, "dass sie Ideen, Visionen und Personen haben, die begeistern, dann kann es funktionieren."

Erneut kritisierte Kubicki die Verhandlungsführung der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel während der Sondierungsgespräche. Es sei ein "methodischer Fehler" gewesen, die Jamaika-Gespräche im großen Kreis statt in Kleingruppen zu beginnen. Er habe bei den Jamaika-Verhandlungen in Schleswig-Holstein wesentlich positivere Erfahrungen gemacht. Dort wurde in kleinen Gruppen verhandelt, auf Bundesebene dagegen mit mehr als 50 Unterhändlern.

Merkel habe zunächst "alles laufen lassen", sagt Kubicki. "Irgendwann jedoch hätte ihr auffallen müssen, dass diese Methode hier nicht wirkt, dass der Zeitdruck nicht dazu führt, dass die Parteien ihre Positionen räumen. Dass man mit Geld nicht alle Gegensätze zudecken kann, weil auch gar nicht so viel im Topf ist."

Wolfgang Kubicki - »Das ist keine Grundlage für eine stabile Regierung« FDP-Vize Wolfgang Kubicki hat sich gegen Kritik am Abbruch der Jamaika-Sondierungen gewehrt. Mit mehr als 120 nicht geklärten Punkten sei eine Einigung in weiter Ferne gewesen. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa