Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) haben bei einem Treffen ihren Streit über den Unkrautvernichter Glyphosat erörtert. Der Dissens sei damit zwar nicht aus der Welt, sagte Hendricks der Passauer Neuen Presse, "aber wir sind uns einig, dass wir kollegial miteinander umgehen wollen". Hendricks hatte Schmidt ins Umweltministerium eingeladen, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte. Schmidt sagte: "Die teilweise völlig entgleiste Art der Diskussion ist für mich erschreckend."

Zuvor hatte die Bild-Zeitung über Drohungen und Beleidigungen gegen den Minister berichtet. Deswegen sei seine Facebook-Seite temporär vom Netz genommen worden, teilte das Fürther Wahlkreisbüro mit. Hendricks bezeichnete die persönlichen Angriffe auf Schmidt als unerträglich. Sie verstehe zwar, dass das Thema Glyphosat viele Menschen bewege, "aber die Auseinandersetzung muss zivilisiert bleiben".

Deutschland hatte am Montag auf Geheiß Schmidts der weiteren Verwendung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in Europa zugestimmt. Damit setzte sich Schmidt ausdrücklich über den Willen Hendricks' hinweg. Die SPD hatte sich gegen die Verlängerung gewandt und deshalb auch eine Enthaltung Schmidts in Brüssel verlangt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel rügte Schmidt, weil er gegen die Geschäftsordnung der Bundesregierung verstoßen habe, die in diesem Fall eine Enthaltung verlangt. Hendricks nannte Schmidts Verhalten "dämlich" – auch angesichts der heute stattfindenden Gespräche zwischen Union und SPD mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über eine Regierungsbildung. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles nannte sein Votum einen "schweren Vertrauensbruch".

Schmidt kündigte in der Passauer Neuen Presse an, im Streit um die Zulassung des umstrittenen Unkrautgifts auf SPD-Umweltministerin Hendricks zuzugehen. Ziel sei es, gemeinsam Lösungen zu finden, "wie wir den Einsatz von Glyphosat in der Zukunft national restriktiver gestalten können".

"Merkel hat ihren Laden nicht im Griff"

SPD-Vize Ralf Stegner kritisierte Schmidts Alleingang scharf. "Hier vor der Agrarlobby einzuknicken, das ist entweder in der Tat dämlich und Frau Merkel hat ihren Laden nicht im Griff, oder aber es ist ein grobes Foul gegen die SPD, und da muss ich mich fragen, was das soll", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Eine Neuauflage der großen Koalition sei alles andere als sicher.

Aus Sicht von SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel kann Schmidt einem möglichen neuen Kabinett von Union und SPD nicht mehr angehören. "Für mich ist klar, dass Herr Schmidt seine Zukunft hinter sich hat", sagte er im Deutschlandfunk. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) wies diese Forderung nach personellen Konsequenzen zurück. "Hier ist eine gewisse Dramatik bestimmt gesucht worden vonseiten des Koalitionspartners", sagte sie im Deutschlandfunk.