Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat an seine Partei appelliert, in den Sondierungsgesprächen über eine Jamaika-Koalition in Berlin mehr Kompromissbereitschaft zu zeigen. In einem Interview der Bild-Zeitung nannte Günther als Beispiel die Zuwanderungspolitik. So müsse es beim Familiennachzug "gewisse Zugeständnisse von unserer Seite an die Grünen geben". Als "Familienpartei" könne die CDU in diesem Bereich Kompromisse machen.

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Günther, der in Kiel selbst einer Koalitionsregierung mit Grünen und FDP vorsteht, fügte hinzu: "Vertrauen wächst erst in solchen Gesprächen." In Berlin seien die Hürden zwischen den Parteien größer. Daher müsse jeder wissen, "dass Kompromisse und Vereinbarungen am Ende auch gehalten werden". "An diesem Grundvertrauen fehlt es noch", sagte er. "Ich hoffe aber, dass allen eines bewusst ist: Wir brauchen Jamaika für Deutschland."

Neuwahlen bezeichnete der CDU-Politiker als Katastrophe: "Es wäre ein Signal der Handlungsunfähigkeit demokratisch gewählter Parteien und ein Nährboden für Extremisten." Allen Parteien sei bewusst, "dass es jetzt darum geht, Jamaika hinzubekommen". "Dazu müssen sich alle Parteien am Tisch am Riemen reißen", fügte der Ministerpräsident hinzu.

Die Spitzen von CDU, CSU, FDP und Grünen kommen am Montagabend in Berlin zu Beratungen über die weiteren Jamaika-Gespräche zusammen. Auf Grundlage der bisherigen Ergebnisse wollen sie Eckpunkte für die nächsten Sondierungsrunden festlegen, die am Dienstag beginnen. Bis Mitte November soll die Grundlage für mögliche Koalitionsverhandlungen stehen.

Jamaika-Sondierungen - Parteien ziehen positive Zwischenbilanz CDU, CSU, FDP und Grüne starten nach der ersten Sondierungsrunde zuversichtlich in die Detailgespräche über die Bildung einer gemeinsamen Koalition. © Foto: Steffi Loos/Getty Images

Die Jamaika-Parteien hatten am Freitag nach der ersten zweiwöchigen Sondierungsphase eine Zwischenbilanz gezogen und sich trotz zahlreicher Konfliktthemen zufrieden gezeigt. Neben der Klimapolitik wird vor allem beim Thema Zuwanderung gestritten. Weitere entscheidende Bereiche sind die Landwirtschafts- und die Verkehrspolitik. Gemeinsamkeiten konnten die Jamaika-Parteien unter anderem in den Bereichen Innere Sicherheit, Bildung, Digitalisierung und Finanzen ausloten.