Wenn Politiker nicht mehr weiter wissen, greifen sie gern auf Sportmetaphern zurück. Ein "Endspiel" sei das, sagte einer, der für die CDU mit am Verhandlungstisch für eine Jamaika-Koalition sitzt, am Samstagmorgen. "Schluss mit dem Schattenboxen", forderte CSU-Verhandlungsführer Alexander Dobrindt. "Die zweite Hälfte der Verlängerung beginnt", versuchte sich auch Grünen-Chef Cem Özdemir in Sportberichterstattung, bevor er das Konrad-Adenauer-Haus, die CDU-Zentrale in Berlin, betrat.

Wenige Minuten später begannen drinnen die Parteichefs von CDU, CSU, FDP und Grünen ihre Beratungen. Schon wieder. Vier Wochen hatten die potenziellen Jamaika-Koalitionäre nun Zeit gehabt, ihre Positionen auszutauschen und Kompromisse zu schließen. Eine Nachtsitzung, es hätte die letzte sein sollen, war am Freitagmorgen ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Die vier Parteien hatten sich deshalb darauf verständigt, auch noch das Wochenende weiterzureden. Freitagnachmittag über Europa und Außenpolitik, an diesem Samstag über Klima, Flüchtlinge, Verkehr und Landwirtschaft. Sonntag ab zehn Uhr soll es um Inneres, Familien, Kommunales, Soziales und Finanzen gehen.

Was haben sich die Parteien nach Hunderten Stunden, Sitzungen, Arbeitsgruppentreffen, Zweier-, Dreier- und Vierer-Runden noch zu sagen? "Seit Wochen drehen wir uns. Es sind immer wieder dieselben Fragen, an denen wir hängen bleiben", heißt es aus der CSU.

"Es lohnt sich immer, mit dem Horst zu reden"

Ein gewisser Überdruss ist kaum zu verbergen, wenn die Verhandler im Laufe des Samstags vor die Presse treten oder ihre Sprecher immer wieder vor die Tür schicken, die dann umringt von kleinen Gruppen von Journalisten ihre Sicht der Dinge darlegen. Zentraler Streitpunkt bleibt auch am Samstag die Flüchtlingspolitik. Am Vormittag haben sich zwar CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer und der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann extra zum Frühstück getroffen. "Es lohnt sich immer, mit dem Horst zu reden", sagt Kretschmann viele Stunden später. Doch auch wenn die beiden offenbar einen Draht zueinander haben und mittlerweile beim Du sind: An der verfahrenen Situation hat das bisher nichts geändert.

Aus der CDU heißt es zwischenzeitlich, das einzige Thema, das eine Koalition noch platzen lassen könnte, sei der Familiennachzug für Flüchtlinge, die nur subsidiären Schutz bekommen. "Wenn wir den Punkt klären, lösen sich auch alle anderen Streitpunkte."

Besonders für die CSU und die Grünen ist das Thema hoch emotional und symbolisch. Bis März dürfen diese Flüchtlinge ihre Familien nicht nach Deutschland nachholen, dann läuft die Aussetzung aus. Die CSU will sie unbedingt verlängern, die Grünen nicht. Umstritten ist, wie viele Flüchtlinge dadurch überhaupt nach Deutschland kämen. Eine Studie geht von 60.000 Menschen aus. Die CSU fürchtet, es könnten über 200.000 werden.

Würden die Bayern tatsächlich eine Koalition scheitern lassen über diese Teilfrage? "Ja", heißt es aus der CSU. "Die einen wollen mehr Migration. Wir wollen weniger. So einfach ist das", sagt ein CSU-Mann. "Wir könnten das vor der bayerischen Bevölkerung rechtfertigen, wenn wir über diese Frage eine Koalition platzen ließen."