Nach erheblichen Konflikten in der Parteizentrale der Linkspartei tritt der Bundesgeschäftsführer der Partei, Matthias Höhn, zurück. Wie es aus Parteikreisen verlautete, will Höhn am Freitag sein Amt niederlegen. Sein Posten soll bis zur Neuwahl auf einem im kommenden Frühjahr geplanten Parteitag geschäftsführend besetzt werden.

"Ich habe zur Kenntnis genommen, dass Matthias Höhn zurücktritt", sagte Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch am Abend der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. Bereits vor einem Monat hatte es erste Berichte darüber gegeben, dass der Parteimanager vor dem Rückzug stehe.

Ein zentraler Grund dafür scheint ein Machtkampf zwischen den Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger auf der einen Seite sowie den Fraktionsvorsitzenden Bartsch und Sahra Wagenknecht auf der anderen Seite zu sein. Höhn war auch Wahlkampfleiter der Linken. Die Parteichefs Riexinger und Kipping sollen ihn dafür kritisiert haben, dass er die Fokussierung auf die Spitzenkandidaten Wagenknecht und Bartsch im Wahlkampf unterstützt habe. Zudem sollen sie sich daran gestört haben, dass er sie zu wenig gegen Kritik von Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, Wagenknechts Ehemann, in Schutz genommen habe.

Streit auch um Sahra Wagenknecht

Nicht nur in der Parteizentrale, auch unter den Abgeordneten der Linken im Bundestag gibt es immer wieder Streit, zum Beispiel über die Ausrichtung der Partei in der Flüchtlingspolitik. Das Klima ist geprägt von gegenseitigem Misstrauen. Einige Linken-Abgeordnete, wie die Rechtspolitikerin Halina Wawzyniak, traten deshalb bei der Bundestagswahl nicht noch mal an. 

Im Oktober hatten Angehörige der neu konstituierten Linkspartei-Fraktion bei einer Klausur in Potsdam außerdem darüber gestritten, ob die Parteichefs Riexinger und Kipping auch im Fraktionsvorstand im Bundestag Stimmrechte haben sollen, obwohl sie diesem formal nicht angehören. Die Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht drohte daraufhin mit ihrem Rückzug. Am Ende einigten sich die Abgeordneten darauf, dass künftig auch Riexinger und Kipping in Bundestagsdebatten ein "herausragendes Rederecht" haben sollen, die Fraktionsvorsitzenden aber weiterhin als Erste reden. In dem Streit ging es auch darum, dass einige Linke finden, Wagenknecht habe eine zu exponierte Rolle in den Medien.

Die Linkspartei hat bei der Bundestagswahl ihren Status als Oppositionsführerin eingebüßt. Diese Rolle wird voraussichtlich die SPD übernehmen, vorausgesetzt es kommt eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen zustande. Doch auch im Fall einer großen Koalition wäre die Linke nicht mehr die stärkste Kraft unter den Oppositionsparteien, sondern die AfD. Die stärkste Oppositionspartei antwortet im Bundestag auf Regierungserklärungen der Kanzlerin, was ihr viel Sichtbarkeit verschafft. Jetzt wird die Partei später in der Debatte zu Wort kommen.

Nachfolger bereits gesucht

Der 42-jährige Bundesgeschäftsführer und Ex-Wahlkampfleiter Höhn zählt zum Reformerlager der Linken und hat seine Posten seit 2012 inne. Seit der Bundestagswahl ist er auch Mitglied im Bundestag. Bartsch sagte: "Ich bedauere seinen Rücktritt und ich wünsche mir, dass er ein sehr aktives Mitglied meiner Fraktion werden wird."

Zunächst hatten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschlandund die Mitteldeutsche Zeitung vom bevorstehenden Rücktritt berichtet. Die Linke verwahrt sich gegen die Lesart, dass Kipping und Riexinger Höhn zum Rücktritt gedrängt hätten: "Die Parteivorsitzenden haben Matthias Höhn ausdrücklich gebeten, weiter mit ihnen zusammenzuarbeiten", hieß es. Laut Mitteldeutscher Zeitung will Höhn nicht zwischen den Lagern zerrieben werden.

Der Hamburger Linken-Politiker Jan van Aken stritt Spekulationen ab, dass er das Amt des Bundesgeschäftsführers kommissarisch übernehme. Laut Mitteldeutscher Zeitung ist auch Linken-Schatzmeister Thomas Nord dafür im Gespräch, aber nicht bereit. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist auch Axel Troost ein Kandidat. Der Parteivizechef kennt sich in Höhns Aufgabenfeld aus.

Der Vizepräsident des Landtags von Sachsen-Anhalt, Wulf Gallert, sagte der Mitteldeutschen Zeitung, der Rücktritt solle ein Appell an die handelnden Personen sein, die Art und Weise der Auseinandersetzung zu überdenken. Der Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte der Berliner Zeitung: "Das ist ein herber Verlust an Sinn und Verstand für die Linkspartei."