In den Sondierungsgesprächen für eine Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen zeichnen sich Fortschritte ab. Die Parteichefs haben sich auf einen knapp 125 Punkte umfassenden Bearbeitungskatalog in den zwölf zentralen Themenblöcken geeinigt, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf ein sieben Seiten langes Geheimpapier berichtet. Es hat den Titel "Bearbeitungspunkte (Stichpunkte der jeweiligen Partner, noch keine Einigungen)".

In jeden der zwölf enthaltenen Oberpunkte sind demnach die jeweils wichtigsten Anliegen der vier möglichen Partner eingeflossen. Jeder Punkt enthält meist fünf bis zehn Einzelaspekte. Auf den insgesamt sieben Seiten werden die schwierigsten Themenkomplexe deutlich. Erkennbar werden zudem Punkte, die für ein Jamaika-Bündnis besonders wichtig werden dürften. 

So sind in den umstrittenen Themenblöcke Finanzen, Haushalt, Steuern, Klima, Energie, Umwelt oder Außen, Verteidigung, Entwicklungszusammenarbeit, Handel nur fünf, sieben oder acht Unterpunkte aufgeführt. Die Themenblöcke Flucht und Migration haben dagegen 13 Unterpunkte. In Bildung und Forschung sind es 14, bei Arbeit/Rente 22 sowie beim Thema Wirtschaft/Verkehr 15. Auch in diesen Komplexen dürften Schwerpunkte eines Jamaika-Bündnisses liegen. 

  • Beim Thema Finanzen kommt etwa der Unterpunkt "Abbau Solidaritätszuschlag" vor – ein zentrales Streitthema.
  • Beim Klima sind es die Punkte "Klimaziele 2020, 2030, 2050 einhalten,  Sofortprogramm, zusätzliche Reduktionsbeiträge für 2020 sowie der Beitrag der Kohle zur CO2 Reduzierung (50 Mio. Tonnen?)".
  • Beim Thema Flucht/Migration geht es um den "Familiennachzug für subsidiär Geschützte", ein Einwanderungsgesetz, den "Fachkräftezuwachs (Spurwechsel?)", um "Sichere Herkunftsstaaten (Maghreb)" und den "Richtwert 200.000 (bei Ausnahmen Entscheidung durch den Bundestag)".
  • Beim Thema Bildung/Forschung ist die Bafög-Reform genannt, Breitbandausbau, das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Schulpolitik, ein Datenschutzgesetz.
  • Beim Thema Arbeit/Rente geht es um das "Rückkehrrecht in Vollzeitarbeit bei Betrieben von mehr als 200 Mitarbeitern", die "Sachgrundlose Befristung", die "Abschaffung Schulgeld für Pflegeberufe", eine "Landarztgarantie". Mit Fragezeichen versehen sind die Begriffe Bürgerversicherung und Paritätische Finanzierung der Krankenversicherung.
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Die Auflistung sagt noch nichts darüber aus, welche Kompromisse es später tatsächlich gibt. All diese Kernthemen werden nun von den jeweiligen Berichterstattern der einzelnen Parteien beraten. Am Freitag sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Wie üblich bei Sondierungen und Koalitionsverhandlungen sind die Berichterstatter angehalten, die Einzelpunkte in drei unterschiedliche Listen einzusortieren: in eine Liste mit einfach zu lösenden Punkten, eine mit mittelschwierigen Themen und eine weitere mit strittigen Punkten. In der ersten Runde der Sondierungen hatten die Jamaika-Unterhändler bis zum vergangenen Wochenende elf Papiere erarbeitet, die insgesamt 27 Seiten umfassten und vor allem Fragen enthielten.

Die wegen der Parteifarben Jamaika genannte Koalition ist seit der Bundestagswahl die einzig machbare Koalitionsoption. Die SPD hatte sich für die Opposition entschieden und steht daher nicht für eine große Koalition mit der Union zur Verfügung. Andere Optionen waren rechnerisch nicht möglich, da einzelne Parteien Koalitionen mit der Linkspartei oder der AfD ausgeschlossen hatten.