Martin Schulz sagt diesen Satz einmal zu Beginn und zweimal zum Ende seiner Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus: "Wir scheuen Neuwahlen nicht." Spätestens beim dritten Mal klingt der Satz nach einer magischen Formel, die der SPD-Vorsitzenden benutzt, um seiner Partei Mut zu machen. Und Mut, so viel ist klar, wird die SPD in den kommenden Wochen gut gebrauchen können.

Denn Schulz macht in seiner Rede zwar ein weiteres Mal deutlich, dass seine Partei nicht für die Fortsetzung der großen Koalition zur Verfügung stehe. Doch wenn man sich unter den Genossen umhört, scheint es so manchen in der SPD zu geben, der nicht ganz überzeugt wirkt von der Idee, bloß kein Bündnis mit der Union einzugehen. Die Frage ist also: Hat die SPD den Mut, an ihrer Oppositionsentscheidung festzuhalten – auch nachdem die Jamaika-Gespräche nun gescheitert sind?

"Eine klarere Absage an ein Bündnis kann es gar nicht geben", sagt Schulz im Willy-Brandt-Haus noch einmal und meint damit die 14 Prozentpunkte, die Union und SPD bei der Bundestagswahl gemeinsam verloren haben. Und um Spekulationen zu vermeiden, schiebt Schulz gleich noch hinterher, dass dieses Nein zur GroKo auch dann noch stehe, wenn Angela Merkel fällt.

Opposition oder Neuwahlen?

Der Auftrag der Wähler zu einer Regierungsbildung sei klar an die CDU-Vorsitzende gegangen, deshalb trage auch sie jetzt die Verantwortung. "Jetzt hinzugehen und zu sagen: Das entscheiden die Parteigremien und tauschen da jemanden aus, das geht nicht", sagt Schulz. Für ihn gibt es nur zwei Optionen: Entweder die SPD geht in die Opposition – oder die Wähler stimmen erneut ab.

Während Schulz am Tag nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen vor allem über die Zukunft der SPD spricht, beschäftigten sich andere Sozialdemokraten lieber mit der Rolle Angela Merkels. Statt sich an der FDP abzuarbeiten, die die Sondierungen hat scheitern lassen, gibt man der Kanzlerin die Schuld an der geplatzten Regierungsbildung. "Merkel wollte und konnte zu wenig tun, um Jamaika durchzusetzen", sagt etwa der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach. "Ihre Autorität ist weg, sie kann das Amt der Kanzlerin nicht mehr ausfüllen." Ein anderes ranghohes SPD-Mitglied sagt, dass die Verhandlungsführung die Gespräche habe scheitern lassen: Man hätte zu Beginn über die schwierigen Themen sprechen müssen, um zu sehen, ob ein Kompromiss überhaupt möglich ist.

"Wir können nicht so lange wählen, bis das richtige Ergebnis kommt"

Doch warum macht man sich so viele Gedanken über die CDU und Angela Merkel, wenn die SPD doch nicht wieder in eine Regierung mit der Union eintreten möchte? Tatsächlich scheint es Kräfte in der Partei zu geben, die sich gegen die Verweigerungshaltung ihres Vorsitzenden Schulz auflehnen. "Alle Parteien müssen sich nun neu sortieren und überlegen, wie es weitergeht", sagt etwa Johannes Kahrs, Sprecher des konservativen SPD-Parteiflügels. Er warnt vor zu schnellen Festlegungen: "In der Ruhe liegt die Kraft."

Womöglich spekulieren gerade die konservativen Sozialdemokraten auf einen Machtwechsel in der Union. Sollte Merkel abtreten, wäre eine große Koalition nicht mehr ausgeschlossen, heißt es dort. Die von Schulz bevorzugte Neuwahl erscheint vielen in diesen Kreisen als nicht besonders wünschenswert: "Wir können nicht so lange wählen, bis das richtige Ergebnis kommt", sagt einer.