Rund einen Monat nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche von Union, Grünen und FDP denkt FDP-Chef Christian Lindner wieder über die Möglichkeit eines Jamaika-Bündnisses nach. "Bei CSU und Grünen gibt es eine neue Führungsmannschaft. In neuen Konstellationen wird neu gesprochen", sagte Lindner der WirtschaftsWoche. Allerdings hält er dem Bericht zufolge neue Jamaika-Gespräche erst nach möglichen Neuwahlen für denkbar. Das gleiche wiederholte er auf Twitter.

Deutschland könnte neu wählen, wenn die anstehenden Gespräche zwischen Union und SPD über eine Regierungszusammenarbeit scheitern sollten. Die Sondierungsgespräche beginnen am 7. Januar, neben einer neuen großen Koalition wird auch über die Möglichkeit einer Minderheitsregierung und einer offenen Kooperationskoalition gesprochen. Die SPD will am 21. Januar auf einem Sonderparteitag über den Einstieg in Koalitionsgespräche entscheiden, die Zustimmung der Basis dafür gilt nicht als sicher.

Lindner sagte der WirtschaftsWoche weiter, auch eine schwarz-gelbe Koalition aus Union und FDP sei für ihn weiter eine Option. "Oder die SPD erneuert sich und erinnert sich an Gerhard Schröder, wie es Sigmar Gabriel derzeit wohl tut", sagte er weiter. Die FDP hatte im November die Jamaika-Gespräche verlassen und sie damit scheitern lassen. Seither sind die Umfragewerte der Partei deutlich abgesackt. Auch von Wirtschaftsvertretern gab es deutliche Kritik.

Zuletzt hatte Parteivize Wolfgang Kubicki über eine Neuauflage von Jamaika-Sondierungen spekuliert. "Eines ist doch klar: Scheitert die Groko, haben wir eine andere Lage", sagte er den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland. Im Licht der Entwicklung würden die Freien Demokraten dann neue Bewertungen vornehmen. "Wir sind schließlich keine Dogmatiker." Lindner hatte das damals zurückgewiesen: "In dieser Wahlperiode ist #Jamaika für niemanden mehr ein Thema", twitterte er. Die FDP sei eher gewillt, eine von der Union geführte Minderheitsregierung mitzutragen. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer sagte zur Diskussion über eine Neuauflage von Jamaika-Gesprächen, die Hürden dafür seien zu hoch. "Es müsste ein komplett anderes Paket auf den Tisch."