Nach monatelangem Machtkampf steht nun also fest: Horst Seehofer fügt sich seinem Widersacher Markus Söder, jedenfalls ein bisschen. Er übergibt ihm das Amt des Ministerpräsidenten – und das sogar schon vor Ablauf der Wahlperiode, nämlich im Frühjahr kommenden Jahres. Dafür will er das Amt des Parteivorsitzenden bis auf Weiteres behalten.

Eine geordnete Übergabe der Macht, das war einst Seehofers großes Ziel. Doch daran ist er nun gescheitert. Denn auch wenn die Partei Seehofer nun dafür feiern wird, dass er sich mit seinem Dauerkonkurrenten Söder versöhnt hat, und ihn beim Parteitag dafür mit einem guten Ergebnis zum Parteivorsitzenden wiederwählen wird, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Seehofer zuletzt ein Getriebener war.

Söder zu verhindern, den er für charakterlich ungeeignet hielt, das war jahrelang Seehofers erklärtes Ziel. Um das zu erreichen, hat er einen ganzen Reigen von potenziellen Nachfolgern aufgebaut. Doch seit der für die CSU enttäuschend verlaufenden Bundestagswahl entglitt Seehofer zunehmend die Kontrolle. 

Seine letzte Option war der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Hätte Herrmann sich um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2018 beworben, hätte zumindest der Hauch einer Chance bestanden, dass er auf dem kommenden Parteitag eine Mehrheit geholt und somit Söder verhindert hätte.  

CSU - Söder als Ministerpräsident vorgeschlagen Der bayerische Finanzminister Markus Söder soll 2018 die Nachfolge von Horst Seehofer antreten. Seehofer will Parteichef der CSU bleiben. © Foto: Lukas Barth/Reuters

Wieso kann er nicht einfach loslassen?

Doch in den vergangenen Tagen scheint Seehofer klar geworden zu sein, dass dieser Versuch, der Partei einen weiteren nervenzehrenden Machtkampf zuzumuten, am Ende wohl nicht aufgehen würde. Das Ergebnis wäre eine tief gespaltene CSU gewesen, keine gute Voraussetzung, um 2018 die absolute Mehrheit zu verteidigen. Also hat Seehofer stattdessen die Versöhnung mit Söder gesucht. Doch das war keine souveräne Entscheidung, wie Seehofer nun glauben machen will, sondern sein letzter verzweifelter Versuch, für sich selbst wenigstens einen Teil der Macht zu erhalten.

Bleibt die Frage, wieso Seehofer, der mit 68 Jahren doch eigentlich im besten Rentenalter ist, einfach nicht komplett loslassen kann. Aus seiner Sicht dürfte die Sache klar sein: Er hält sich selbst eben noch immer für einen wichtigen Garanten für die Stärke der CSU, sowohl in Bayern als auch in Berlin. Doch der selbstlose Einsatz zum Wohle der Partei dürfte kaum das einzige Motiv gewesen sein. Vor allem wird es Seehofer darum gehen, nicht als Geschlagener abzutreten.

Bayern - CSU will eine große Koalition Laut Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer wünscht sich die CSU eine Neuauflage der großen Koalition. Die Lage in Berlin bezeichnete er als »ungewöhnlich schwierig«. © Foto: Sven Hoppe/dpa