Der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, Wolfgang Kubicki, hat Spekulationen ausgelöst, wonach die FDP doch noch zu einer Jamaika-Koalition aus Union, Grünen und Liberalen bereit sei, wenn die Verhandlungen zwischen SPD und Union scheitern sollten. Die Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland zitieren den Bundestagsvizepräsidenten mit den Worten: "Eines ist doch klar: Scheitert die Groko, haben wir eine andere Lage". Im Licht der Entwicklung würden die Freien Demokraten dann neue Bewertungen vornehmen. "Wir sind schließlich keine Dogmatiker."

Von Beobachtern war das dahingehend interpretiert worden, die FDP sei doch offen für Schwarz-Gelb-Grün. Parteichef Christian Lindner wies das zurück: "In dieser Wahlperiode ist #Jamaika für niemanden mehr ein Thema", twitterte er. Die FDP sei eher gewillt, eine von der Union geführte Minderheitsregierung mitzutragen.

"Überhaupt nicht sensationell"

Kubicki gab sich im Nachhinein verwundert über die Spekulationen. Auf Facebook schrieb er, es sei "schon erstaunlich, dass die Wiedergabe einer Binsenweisheit in diesen aufgeregten Zeiten zu Eil- und Falschmeldungen führt". Er habe auf die Frage, ob Jamaika ohne Bundeskanzlerin Angela Merkel denkbar sei, erklärt, er werde sich an Spekulationen über die politische Zukunft von Angela Merkel nicht beteiligen. Beim Scheitern einer neuen großen Koalition gäbe es eine neue Lage, die neue Bewertungen nach sich zögen. "Letzteres ist eine alte Kommandeursregel und überhaupt nicht sensationell, da selbstverständlich alle politischen Kräfte mit dem Umstand eines Scheiterns der großen Koalition umgehen müssten." Kubicki schloss sich zudem Lindners Äußerung an, wonach für die FDP auch eine konstruktive Begleitung einer Minderheitsregierung vorstellbar wäre. "Dass Jamaika mit anderen Personen mit einer belastbaren Vertrauensgrundlage funktionieren kann, dokumentieren wir jeden Tag in Schleswig-Holstein."

Lindner hatte die vierwöchigen Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition am 19. November beendet. Das wochenlange Ringen um ein gemeinsames Programm von Union, Grünen und Liberalen habe sich als erfolglos gezeigt. Den von der FDP versprochenen Trendwenden hätten die potenziellen Koalitionspartner keinen Platz eingeräumt, erklärte Lindner den Rückzug der FDP

Die SPD-Spitze hatte sich daraufhin entgegen ihrer Ankündigung am Wahlabend dazu bereit erklärt, ergebnisoffene Gespräche über eine Regierungsbildung mit CDU und CSU zu führen. Bevor die Gespräche beginnen können, soll der Parteitag der Sozialdemokraten, der ab Donnerstag stattfindet, zustimmen. Parteichef Martin Schulz hatte wiederholt betont, dass die Gespräche auch auf die Duldung einer Minderheitsregierung oder auf Neuwahlen hinauslaufen könnten.