G20-Gipfel - Bundesweite Razzien in der linken Szene Fünf Monate nach den Ausschreitungen in Hamburg hat die Polizei bundesweit mehrere Wohnungen von Verdächtigen durchsucht. Mehr als 200 Polizisten und unzählige weitere Menschen waren verletzt worden. © Foto: John MacDougall / Getty Images

Nach den Krawallen beim G20-Gipfel in Hamburg haben Einsatzkräfte am Dienstagmorgen bundesweit Gebäude durchsucht. Die Sonderkommission "Schwarzer Block" durchsuche Wohnungen und Objekte in mehreren Bundesländern, teilte die Polizei in Hamburg mit. Die Razzien erfolgten im Zusammenhang mit Ermittlungen wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs. Es gehe um den sogenannten Rondenbarg-Komplex.

Wie der NDR berichtete, geht die Polizei in 24 Objekten in acht Bundesländern Hinweisen nach. Darunter seien private Wohnungen und linke Stadtteilzentren – unter anderem in Göttingen und Stuttgart. In Hamburg durchsuchten Einsatzkräfte demnach die Wohnung eines mutmaßlichen Mitglieds der linksextremen Gruppe Roter Aufbau Hamburg. Ziel der Razzia sei es auch, herauszufinden, inwiefern die Krawalle vorbereitet waren. Laut dem NDR gebe es Belege für geheime Depots, in denen militante Demonstranten etwa schwarze Kleidung und Pyrotechnik gelagert hätten.

Den Erkenntnissen der Polizei zufolge seien die militanten Proteste von erfahrenen Leute angeführt worden, die die Situation vor Ort gut kannten. Die Hamburger Szene habe für die Logistik Verantwortung getragen. "Das schließt durchaus auch die Militanten ein", sagte der Leiter der Sonderkommission, Jan Hieber, sagte dem NDR.

Debatte um Krawalle am Rondenbarg

In der Straße Rondenbarg in einem Industriegebiet im Westen Hamburgs hatte es schwere Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gegeben. Als Polizisten versuchten, etwa 200 Demonstranten zu stoppen, habe eine große Gruppe die Einsatzkräfte angegriffen. Ein Teil der Demonstranten soll Steine und Böller geworfen haben. Gegen 59 Menschen aus dem Demonstrationszug laufen Ermittlungen wegen schweren Landfriedensbruchs und ähnlicher Vergehen. In einem Polizeivideo ist zu sehen, wie vermummte Demonstranten bengalisches Feuer werfen. Ein massenhafter Bewurf mit Steinen und Flaschen, wie im Polizeibericht erwähnt, lässt sich aber nicht erkennen.

Einer der Angeklagten ist der 19-jährige Italiener Fabio V, gegen den im Oktober ein Prozess am Landgericht Altona begann. Kritiker sahen seine Anklage wegen schweren Landfriedensbruchs als unverhältnismäßig an.  V. war zwar Teil der Gruppe, soll aber auch laut der Staatsanwaltschaft nicht an der Gewalt beteiligt gewesen sein. Dennoch saß V. vier Monate in Untersuchungshaft.

Die Sonderkommission Schwarzer Block war kurz nach dem Gipfel eingerichtet worden. Sie soll die Ausschreitungen am Rande des Gipfels aufklären. Auch ein Sonderausschuss der Hamburger Bürgschaft untersucht die Krawalle.

Rund um das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigen Industrie- und Schwellenländer Anfang Juli in Hamburg hatte es trotz des Einsatzes von mehr als 20.000 Polizisten schwere Krawalle gegeben. Randalierer lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, zündeten Autos an und plünderten Läden.