Die Niederlande werden sich der Klage Österreichs gegen die Einführung einer Maut in Deutschland anschließen. Die geplante Maut sei nicht nur eine Diskriminierung niederländischer Autofahrer, sondern auch eine Behinderung des Verkehrsflusses, begründete Verkehrsministerin Cora van Nieuwenhuizen die Entscheidung. Die deutschen Pläne verstießen gegen europäische Regeln.

Berechnungen des Ministeriums hätten ergeben, dass die Maut in Deutschland niederländische Autofahrer 60 bis 100 Millionen Euro im Jahr kosten würde. Besonders Privatleute und Unternehmen in der Grenzregion seien davon betroffen.

Auch andere Nachbarländer kritisieren, dass zwar alle die Maut zahlen müssen, die Fahrzeughalter in Deutschland aber über die Kraftfahrzeugsteuer entlastet werden. "Dass Deutsche nicht zahlen, weil sie Deutsche sind, Österreicher und Niederländer aber sehr wohl zur Kasse gebeten werden, lassen wir uns nicht gefallen", sagt der österreichische Infrastrukturminister Jörg Leichtfried. "Mir geht es darum, Österreicher vor dieser Ungerechtigkeit zu schützen." Leichtfried hofft nach eigenen Worten auf ein Urteil vor Ende 2018.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Wahlkampf 2013 noch erklärt, mit ihr werde es eine solche Maut nicht geben. Doch die auch in Deutschland umstrittene Maut für Autobahnen und Bundesstraßen wurde 2015 auf Betreiben der CSU vom Bundestag beschlossen. Allerdings wurde sie wegen rechtlicher Bedenken vonseiten der EU noch nicht umgesetzt. Kurz nach dem Bundestagsbeschluss hatte die EU-Kommission ein Verfahren wegen Verletzung von EU-Recht gegen Deutschland eröffnet. Inzwischen hat die EU nach kleinen Änderungen dem Gesetz zugestimmt. Eine Umsetzung wird nun für 2019 angestrebt. 

Ob es dazu kommt, dürfte von der künftigen Regierungskoalition abhängen. Die CSU fordert die Maut bereits seit 2013, und auch Merkel hält inzwischen an der Abgabe fest, da kein deutscher Autofahrer mehr belastet werde. FDP und Grüne hatten sich gegen die Maut ausgesprochen. SPD-Chef Martin Schulz hatte angekündigt, im Fall des Wahlsiegs die Pkw-Maut abschaffen zu wollen, falls "Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen". Grüne und Linke kritisierten dessen Ankündigung daraufhin als unglaubwürdig. Die Maut sei schließlich mit Stimmen der SPD durchgesetzt worden.