Führende SPD-Politikerinnen haben sich vor den Gesprächen mit der Union gegen eine große Koalition ausgesprochen. Die neue stellvertretende SPD-Vorsitzende und Landeschefin in Bayern, Natascha Kohnen, sagte der Passauer Neuen Presse: "Ich plädiere dafür, andere Wege als eine Neuauflage von Schwarz-Rot zu suchen."

Die SPD müsse mutig sein. "Dazu gehört es, intensiv über eine Minderheitsregierung zu diskutieren und uns nicht einfach wieder vor den Karren von Bundeskanzlerin Angela Merkel spannen zu lassen." Dabei müsste sich Merkel aber für jedes Projekt Mehrheiten im Bundestag suchen – die Kanzlerin lehnt das als zu unsicher ab.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer hält die Tolerierung einer CDU/CSU-Minderheitsregierung durch die SPD für die beste Lösung. Dreyer, die mit dem besten aller Ergebnisse vom Parteitag zur Bundesvize aufgestiegen ist, sagte der Allgemeinen Zeitung in Mainz: "Ich präferiere nach wie vor ein Tolerierungsmodell." Sie könne sich sehr gut vorstellen, mit der Union einen Tolerierungsvertrag über Politikfelder zu schließen, auf denen eine breite Stimmenmehrheit unerlässlich sei, zum Beispiel über Europa-Themen und die Außenpolitik.

SPD - Parteitag stimmt für Gespräche mit Union Der SPD-Bundesparteitag hat Gesprächen mit der Union über die Bildung einer Regierung zugestimmt. Martin Schulz wurde mit 81,9 Prozent als Parteivorsitzender bestätigt. © Foto: Bernd Von Jutrczenka/dpa

Am Donnerstag hatte der SPD-Bundesparteitag in Berlin beschlossen, ergebnisoffen in Gespräche mit der Union zu gehen. Am Samstag endet der Parteitag mit weiteren Beratungen. Anschließend starten der Parteivorsitzende Martin Schulz und Fraktionschefin Andrea Nahles die Vorbereitung für die Gespräche mit CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer am Mittwoch in Berlin. Die Entscheidung, ob die SPD Sondierungsgespräche mit der Union aufnimmt, werde am 15. Dezember auf einer Vorstandssitzung getroffen, teilte Martin Schulz mit. "Ob wir dann sondieren, werden wir sehen", sagte der Parteichef. Über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen müsste ein Sonderparteitag, wahrscheinlich Mitte Januar, entscheiden.

"Jetzt liegt es an der Kanzlerin", sagte der neue SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil der Rhein-Neckar-Zeitung. "Sie muss klarmachen, dass sie mit uns über Inhalte reden will und bereit ist, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen." Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sagte der Rheinischen Post: "Aus unserer staatspolitischen Verantwortung heraus müssen wir nun dafür sorgen, dass die Gespräche mit der SPD zu einer Regierung führen, die das Land vier Jahre stabil regiert und in der Sache Entscheidungen trifft, die das Land voranbringen." Diese Entscheidungen müssten in einem überschaubaren Zeitraum getroffen werden.