Die Thüringer SPD hat als erster Landesverband der Partei gegen die Neuauflage einer großen Koalition im Bund gestimmt. Auf einem außerordentlichen Landesparteitag nahm der Verband einen entsprechenden Antrag der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos an.

In dem Antrag heißt es, eine erneute Regierung mit der Union würde einen weiteren Glaubwürdigkeitsverlust für die SPD bedeuten. In vielen Fragen gebe es kaum Gemeinsamkeiten. Der Landesvorsitzende der Jusos, Oleg Shevchenko, sagte, die Erneuerung der SPD in einer großen Koalition könne wegen der Regierungszwänge nicht funktionieren. Es dürfe nicht zugelassen werden, "dass die SPD mickrig geschrumpft wird".

Auch der einflussreiche SPD-Landesverband Nordrhein-Westfalen hat die Bundesspitze der Partei davor gewarnt, sich zu früh auf eine große Koalition einzulassen. "Wenn wir uns an die Rolle des Juniorpartners gewöhnen, enden wir als Wackeldackel", sagte NRW-Landeschef Michael Groschek dem Spiegel. Die SPD solle sich darauf konzentrieren, "wieder groß und stark zu werden". Nur so könne sie eine echte Alternative zur Union darstellen.

Als Voraussetzung für eine Koalition verlangte Groschek von CDU und CSU inhaltliche Zugeständnisse. "Wir ziehen keine roten Linien, aber ohne konkrete Verbesserungen im Bereich der Arbeitsmarkt-, Renten- und Gesundheitspolitik ist es unvorstellbar, dass ein Parteitag grünes Licht für weitere Gespräche gibt", sagte der SPD-Landeschef. "Ein paar nette Überschriften" reichten nicht aus.

Am Freitag hatte der SPD-Bundesvorstand beschlossen, Sondierungsgespräche mit der Union zu beginnen. Ob die Gespräche in eine Koalition oder andere Form der Kooperation führen sollen, ließ sie Partei ausdrücklich offen. Voraussichtlich am 14. Januar 2018 soll ein Bundesparteitag entscheiden, ob die SPD Koalitionsverhandlungen für eine große Koalition aufnehmen soll.

SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel und der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, hatten sich auf dem Parteitag für ergebnisoffene Sondierungen ausgesprochen. Nur der "Oppositionssehnsucht" nachzugeben, ohne mit CDU/CSU über inhaltliche Punkte gesprochen zu haben, sei nicht der richtige Weg, sagte Schneider. Schäfer-Gümbel sagte, das Problem der SPD sei nicht so sehr eine mögliche große Koalition, sondern die Verunsicherung innerhalb der Partei. "Wir hadern mit uns selbst", sagte Schäfer-Gümbel.