Die US-Regierung hat Berichte zurückgewiesen, nach denen der US-Sonderermittler Robert Mueller von Deutschlands größtem Geldhaus Unterlagen zu den Finanzverhältnissen von Präsident Donald Trump und seiner Familie angefordert hat. Trumps Rechtsberater Jay Sekulow sagte, die Berichte seien falsch. Doch aus Insiderkreisen hieß es kurz darauf, dass es die sogenannte Subpoena Muellers an die Deutsche Bank gegeben habe.

Eine Subpoena ist eine rechtlich zwingende Aufforderung, als Zeuge zu erscheinen oder Material zu übergeben. Eine solche Anfrage sei dem Anwalt nach weder an die Deutsche Bank geschickt noch von dieser erhalten worden. "Wir haben eine Bestätigung dafür von der Bank und aus anderen Quellen", sagte Sekulow.

Nach Berichten des Handelsblatts und der US-Nachrichtenagentur Bloomberg soll Mueller die Unterlagen bereits vor Wochen angefordert haben. Dem Handelsblatt zufolge habe die Deutsche Bank auch bereits Dokumente zu bestimmten Geld- und Kreditgeschäften mit der Trump-Familie dem Sonderermittler übergeben. Das Geldhaus wollte sich nicht näher zu der Sache äußern.

Russische Verwicklungen

Mueller ermittelt zu den mutmaßlichen russischen Einmischungen in den US-Wahlkampf und die mögliche Verwicklung des Trump-Teams. Darin begründet sich auch das Interesse Muellers an den Finanzverbindungen der Trump-Familie zu russischen Geschäftsleuten.

Auch weil die Deutsche Bank in Geldwäschepraktiken russischer Staatsbürger verwickelt war, äußerten US-Demokraten schon vor Monaten den Verdacht, das Finanzinstitut könnte in Verbindungen Trumps nach Russland involviert gewesen sein. In einem Brief an Deutsche-Bank-Chef John Cryan im Juni mutmaßten die Parlamentarier, dass die Darlehen des Instituts für Trump und seine Familie durch Bürgschaften der russischen Regierung abgesichert worden seien "oder in irgendeiner Weise mit Russland in Verbindung" gestanden haben könnten. Die Deutsche Bank ging der Aufforderung der Abgeordneten nicht nach und begründete seine Entscheidung mit der Wahrung des Bankgeheimnisses.

Eine Aufforderung durch Mueller, Informationen über Trump herauszugeben, dürfte der Bank nicht ungelegen kommen, wie das Handelsblatt schreibt. Denn dadurch könnte das Geldinstitut verhindern, in der Russland-Affäre zwischen die Fronten zu geraten.

Hohe Schulden

Die Geschäftsbeziehungen der Deutschen Bank zu Trump reichen rund zwei Jahrzehnte zurück. Nach den Pleiten, die Trump in den Neunzigerjahren mit seinen Casinos und Hotels in Atlantic City erlitten hatte, mieden ihn die meisten großen Banken. Die Deutsche Bank gehörte damals zu den wenigen Instituten, die bereit waren, ihm zu helfen. Laut US-Berichten soll Trump zeitweise Schulden in Höhe von 340 Millionen Dollar (nach heutigem Wert 286 Millionen Euro) bei der Deutschen Bank gehabt haben. Inzwischen sei der Betrag geschrumpft.

Die Ermittlungsarbeit Muellers hatte zuletzt brisante Ergebnisse hervorgebracht. So bekannte sich Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn in der vergangenen Woche unter dem Druck der Ermittlungen schuldig, die Bundespolizei FBI über den Inhalt seiner Gespräche mit dem russischen Botschafter belogen zu haben. Flynn kooperiert inzwischen mit dem Sonderermittler.