Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) will neue Anreize für die Kommunen schaffen, Flüchtlinge zu integrieren. Die Gemeinden sollten künftig selbst entscheiden, wie viele Flüchtlinge sie aufnehmen, schlug der frühere SPD-Chef in den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor. Die Kosten für die Integration bekämen sie dann vom Bund ersetzt, "und sie sollen den gleichen Betrag obendrauf bekommen für ihre Bürger".

Diese doppelte Zuwendung vom Bund werde die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen, hofft Gabriel. "So können wir auch verhindern, dass bei den Bürgern der Eindruck entsteht: Für die Flüchtlinge wird alles getan, für uns nichts", sagte der Bundesaußenminister. Die Kommunen dürften nicht vor der Entscheidung stehen, ob sie Flüchtlinge integrieren oder ihr Schwimmbad sanieren. Der Bund müsse ihnen die Möglichkeit geben, beides zu tun.

Vergleichbare Angebote sollten auch europaweit diskutiert werden, regte der frühere SPD-Vorsitzende an. "Die EU könnte ein Programm auflegen, um Kommunen in ärmeren Mitgliedstaaten bei der Finanzierung zu helfen." So würden die Länder belohnt, die Flüchtlinge aufnehmen. Einen ähnlichen Plan hatte 2016 bereits Gesine Schwan als Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission mit führenden Sozialdemokraten diskutiert.

Gabriel sprach in dem Interview zugleich über die Grenzen der Integrationsfähigkeit. Für viele sei Deutschland das, "was Amerika im 19. Jahrhundert war – ein Sehnsuchtsort". Doch könne Deutschland "nicht alle Sehnsüchte erfüllen", mahnte der Minister. Für eine Million Flüchtlinge seien 25.000 zusätzliche Lehrer, 15.000 zusätzliche Erzieher und viele Tausend neue Wohnungen erforderlich. "Es reicht nicht zu sagen, Zuwanderung ist schön", sagte Gabriel. Er forderte eine "aufgeklärte Diskussion darüber, wie groß unsere Integrationsfähigkeit für die ist, die nicht als Asylbewerber zu uns kommen, sondern weil ihr Leben zu Hause elend ist".