Die Ministerpräsidentinnen Malu Dreyer und Manuela Schwesig (beide SPD) haben ihrer Partei von einer erneuten Koalition mit der CDU/CSU abgeraten. Am Ende der vergangenen Legislaturperiode seien die Gemeinsamkeiten mit der Union aufgebraucht gewesen, sagte Dreyer der Rhein-Zeitung und dem Bonner General-Anzeiger. Mit einer Minderheitsregierung oder Neuwahl gebe es auch noch andere Möglichkeiten als eine große Koalition. "Wir haben auf Bundesebene noch keine Erfahrungswerte für eine Minderheitsregierung", sagte die rheinland-pfälzische Regierungschefin, "aber das müssen wir ausloten".

Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, zeigte sich ebenfalls sehr skeptisch gegenüber Schwarz-Rot. Nach den Stimmenverlusten bei der Bundestagswahl könne es für die SPD kein "Weiter so" geben, sagte Schwesig bei einer Veranstaltung in Schwerin. Die Sozialdemokraten sollten sich zunächst auf ihrem Parteitag in Berlin auf die für sie wichtigsten Themen verständigen und darüber reden, in welchen Konstellationen das gehen könne. Alle Möglichkeiten zwischen großer Koalition und Neuwahlen sollten ausgelotet werden, verlangte Schwesig.

Zur Wiederherstellung des Vertrauens zwischen SPD und Union sei ein Arbeitsprogramm für die geschäftsführende Bundesregierung nötig. Alleingänge wie die von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) bei der Glyphosat-Zulassung gingen nicht, sagte Schwesig.

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles bezweifelte, dass eine Minderheitsregierung "unser Land wirklich voranbringt". Die SPD strebe eine Neuwahl nicht an, sei aber vorbereitet, wenn es dazu komme, sagte Nahles dem Tagesspiegel. "Diese Option ist ja nicht vom Tisch."

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) rief seine Partei hingegen dazu auf, Verhandlungen über eine erneute große Koalition zuzustimmen. "Es kann der SPD nicht egal sein, ob die Regierungsbildung gelingt oder scheitert", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es gebe auf allen Politikfeldern "genügend Stoff, um ein überzeugendes Programm für eine Zusammenarbeit zu finden". Weil, der in Hannover mit der CDU regiert, wünschte sich dazu "ein Verhandlungsmandat für die Parteispitze".

"Wir haben alle Wallungen hinter uns"

Der SPD-Vorstand will am Montag über das weitere Vorgehen diskutieren. Dann dürfte auch über einen Antrag für den am Donnerstag beginnenden Bundesparteitag beraten werden, in dem es um die Rolle der SPD für die Regierungsbildung geht. Parteichef Martin Schulz hatte am Freitag gesagt, dass es noch keine Festlegung gebe.

Schulz erklärte in einem Gespräch mit dem Spiegel den innerparteilichen Streit um seinen Führungskurs für beendet: "Sie können davon ausgehen, dass wir nun alle Wallungen hinter uns haben und die Partei geschlossen steht." Er habe eine offene Debatte über das Wahlergebnis eingefordert: "Dann darf man sich auch nicht beschweren, wenn sie geführt wird." Es gehöre zur "Jobbeschreibung von Parteichefs, hin und wieder einen mitzubekommen", sagte Schulz dazu.

In die Kritik war der Parteivorsitzende auch geraten, weil die SPD-Führung nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen eine Regierungsbeteiligung erneut ausgeschlossen hatte. "Ich habe kein Problem damit, wenn man das als Fehler bezeichnet. Politik ist ein dynamischer Prozess und Parteien wie die SPD müssen sich dann auch auf neue Lagen einstellen. Auch wenn das nicht immer zwingend elegant aussieht."