Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier hat die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, Vertrauen in die Politik zu haben. Trotz der langen Dauer der derzeitigen Regierungsbildung handele der Staat nach den Regeln, die das Grundgesetz vorhergesehen habe. "Wir können Vertrauen haben", heißt es im vorab veröffentlichten Manuskript seiner Rede. Steinmeiers erste Weihnachtsansprache wird am 25. Dezember in der ARD und im ZDF gesendet. 

Die aktuelle Weltsituation konfrontiere die Menschen ständig mit Unerwartetem und könne sie auch verunsichern, räumt Steinmeier ein, der seit drei Monaten im Amt ist. Daher gebe es eine Sehnsucht nach Beständigkeit. Steinmeier ruft die Menschen dazu auf, "auch mutig und offen für das Unerwartete" zu bleiben und die Zukunft Deutschlands zuversichtlich zu sehen.

Man habe in den letzten Jahrzehnten immer wieder Krisen überwunden. Deutschland sei ein Land, in dem "wirtschaftliche Vernunft ebenso wie soziale Gerechtigkeit" Leitprinzipien der Politik seien. Das Land habe die Kraft und den Willen, "Zusammenhalt zu bewahren und das Zusammenwachsen weiter zu befördern".

Er erinnert an das Staunen, das vor fast 30 Jahren nach dem Mauerfall in der Weihnachtszeit in Deutschland geherrscht habe. Dies bleibe ein unvergesslicher Moment, auch wenn er für viele auch zu Ungewissheit geführt habe. Der Mauerfall sei "kein Weihnachtswunder", sondern "das Werk mutiger Menschen" gewesen, heißt es in der Ansprache weiter.

Steinmeier lobt Engagement von Freiwilligen

Auch aktuelle Probleme in ländlichen Regionen spricht der Bundespräsident an. Er habe im Osten wie im Westen Orte gesehen, in denen es "schon lange keine Tankstelle oder Lebensmittelgeschäfte mehr gibt, inzwischen auch die Gaststätte geschlossen ist, die Wege zum Arzt immer weiter werden, und die letzte Busverbindung eingestellt ist". Es sei verständlich, wenn die Menschen dort unzufrieden seien und sich sogar abgehängt fühlten. "Es gibt eine Stille, die bedrohlich werden kann."

Gleichzeitig erinnert er an das Engagement von Menschen, die "ihre Heimat als einen Ort erhalten, der Gründe gibt, zu bleiben, vielleicht sogar dorthin zurückzukehren". Bei seinem Besuch in einem kleinen Dorf in Sachsen habe er Menschen getroffen, die durch ein von Freiwilligen betriebenes Café, einen selbst gebauten Spielplatz und ein Kino wieder Leben in die Gemeinde gebracht hätten. Die ehrenamtliche Arbeit habe ihn tief beeindruckt. Solche Menschen verdienten nicht nur Ermutigung, sondern auch Unterstützung durch die Politik. 

Steinmeier erinnert an den Frieden, den die Weihnachtsgeschichte verspreche. Weihnachten sei "ein Augenblick der Stille zwischen den Jahren". Er wünscht auch den Menschen in Deutschland einen solchen "Weihnachtsmoment". Der Bundespräsident richtet seinen Weihnachtsgruß ausdrücklich auch an alle Menschen, die "nicht in der christlichen Tradition aufgewachsen sind, die einer anderen oder gar keiner Religion angehören". Steinmeier dankt all jenen, die "sich um Menschen kümmern, die allein sind, die die Geborgenheit einer Familie vermissen".