Als die anderen Fraktionen den AfD-Abgeordneten Roman Reusch bei der Wahl für das Geheimdienst-Kontrollgremium des Bundestags durchfallen ließen, nahm die AfD "Rache" (Fraktionschef Gauland): Sie erzwang zu später Stunde den Abbruch der Plenarsitzung, die wegen ausgedünnter Sitzreihen nicht mehr beschlussfähig war. Wieder war ihr die Aufmerksamkeit sicher.

Und da sind noch die Tricks, mit denen die AfD andere Fraktionen vorzuführen versucht: Demnächst will sie über die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft abstimmen lassen. Der Antragstext stammt von einem CDU-Parteitag, auf dem die Delegierten gegen den Doppelpass votierten. In namentlicher Abstimmung will die AfD offenlegen, ob sich CDU-Abgeordnete gegen den eigenen Parteitagsbeschluss stemmen. Gerade die CDU ist ein beliebtes Angriffsziel der AfD, weil sich viele Anliegen beider Parteien ähneln.

Jüngst machte die AfD neuen Druck, indem sie die verpflichtende Altersfeststellung bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen beantragte. Die Abgeordnete Nadine Schön lehnte das Ansinnen in einer engagiert gehaltenen Rede ab, weil die AfD Flüchtlinge in ihrem Antrag vor allem als Belastung für den Staat darstellte. Das ging selbst der CDU zu weit.

Schäuble mahnt bereits zur Mäßigung

Die anderen Fraktionen suchen teilweise noch nach dem richtigen Umgangston mit der AfD: Die Linken-Abgeordnete Christine Buchholz nannte die AfD rassistisch. "Deutschnationales Gefasel", schrie einer, als Weidel Deutschland wegen der von der AfD verhassten Eurorettungspolitik zum "Zahlmeister Europas" erklärte. Ein "Storchbraten"-Wortwitz schallte über die Köpfe, als Fraktionsvize Beatrix von Storch ans Rednerpult gebeten wurde. AfD-Abgeordnete intervenierten beim Parlamentspräsidium, weil sie das Wort "Nazis" aus der benachbarten FDP-Fraktion gehört haben wollen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mahnte im Ältestenrat bereits zur Mäßigung.  

Aber da sind auch noch die Beschimpfungen und Verletzungen, die sich die AfD-Politiker gegenseitig zufügen. Hinter der verschlossenen Fraktionstür geht es hoch her, etwa wenn Posten vergeben werden. "Wir machen dich fertig", drohte der sächsische Abgeordnete Jens Maier, selbst Richter von Beruf und bekennender Anhänger des Thüringer Nationalisten Björn Höcke, seiner Fraktionskollegin Verena Hartmann. Die Fraktionsführung verordnete beiden einen Mediator, um "persönliche Friktionen" auszuräumen. Als die Nominierung der AfD-Ausschussvorsitzenden verhandelt wurde, eilten die Abgeordneten paarweise oder in Kleingruppen aus dem Tagungssaal, um sich vor der Tür gegenseitig Sabotage oder Untreue vorzuwerfen. Auch größere Runden berieten vor der Tür halblaut, um die interfraktionellen Netzwerke zu festigen. 

Dabei war die AfD mit dem Versprechen besonders großer Transparenz angetreten. Kungel- und Hinterzimmerrunden – das war etwas für die "Altparteien". Doch nach 100 Tagen wird längst auch in der AfD-Fraktion gekungelt.