Die politische Konjunktur der AfD verhält sich wie die Tragfläche eines Flugzeugs: Je mehr Gegenwind es gibt, desto mehr Auftrieb erhält sie. Das ist keine Zauberei, sondern ein Effekt, der seit den US-Vorwahlen 2016 medienwissenschaftlich gut untersucht ist.

Damals setzte sich Donald Trump zum Erstaunen sämtlicher Beobachter gegen alle seine republikanischen Mitbewerber durch, obwohl quasi alle seriösen Medien des Landes und alles, was in der Politik Rang und Namen hatte, öffentlich auf ihn einprügelten. Das verschaffte ihm eine absurd hohe Medienpräsenz, die in keinerlei vernünftiger Relation zur tatsächlichen Relevanz seiner politischen Vorschläge stand. Diese media exposure sorgte dann für den sogenannten mere-exposure-Effekt: Je häufiger das Publikum etwas in den Medien präsentiert bekommt, desto relevanter erscheint es ihm. Trumps Umfragewerte stiegen und stiegen.

Ted Cruz, einer der Mitbewerber Trumps, sprach daher von einem "Liebesrausch", in dem sich die Medien befänden. Denn diese schenkten Trump, so Cruz, "Medienreichweite im Wert von zwei Milliarden US-Dollar". Der Effekt ist freilich länger bekannt. Schon der Entertainment-Unternehmer Phineas T. Barnum, an dessen Lebensgeschichte sich der aktuelle Hollywoodfilm The Greatest Showman orientiert, sagte im 19. Jahrhundert den Satz: "Es gibt keine schlechte Presse."

Der Ausschussvorsitzende leitet nicht. Er moderiert

Vor diesem Hintergrund ist der Umgang mit der AfD bei der Einbindung in den parlamentarischen Regelbetrieb geradezu absurd. Denn er führt dazu, dass sie die Unfähigkeit ihres Personals medial überspielen kann.

Nach der durch die Geschäftsordnung des Bundestages vorgesehenen Regelung kommt der rechtsextremen Partei das Recht zu, Vorschläge für den Vorsitz dreier ständiger Fachausschüsse zu machen. Die Bedeutsamkeit dieser Position hängt sehr vom individuellen Geschick des jeweiligen Amtswalters ab. Wer sich tief in die Sache einarbeitet, diplomatisches Geschick besitzt und in der Lage ist, eigene Vorschläge so zu begründen, dass sie auf Gehör der fachlich versierten Abgeordneten anderer Fraktionen stoßen, kann dort gestalterisch wirken. Ansonsten wird er weder etwas gegen eine andersfarbige Ausschussmehrheit noch gegen die fachlich versierte Bundestagsverwaltung erreichen. Ein Ausschussvorsitzender leitet eben nicht im Sinne von Befehl und Gehorsam. Er moderiert.

Abgeordnete, die politische Wettbewerber als "Nutten" bezeichnen, sich gemäß gerichtlicher Urteile an Hooliganschlägereien beteiligen oder Andersdenkende mit überdimensionierten Messern erwarten, dürften jegliche dieser Voraussetzungen für erfolgreiche Arbeit fehlen. Will sagen: Diese Abgeordneten der AfD werden als Ausschussvorsitzende nichts erreichen. Ihr Wirken wird die Parlamentsarbeit nicht stärken, aber es wird schlicht irrelevant bleiben. 

Das ist auch der Unterschied zur Position eines Bundestagsvizepräsidenten. Er nimmt regelmäßig öffentlich protokollarische Funktionen wahr, die eine Bühne für Aussagen bieten, die kaum wieder zurückzuholen sind. Ungeeignete Amtswalter sind also in der Lage, das Ansehen des Bundestages in der Öffentlichkeit enorm und dauerhaft zu beschädigen. Ausschussvorsitzende erhalten zwar auch immer wieder öffentliche Bühnen. Meistens sprechen zivilgesellschaftliche Akteure die Einladung aus. Zumeist ist das aber als eine Geste gedacht, um sich an alle Abgeordneten des Ausschusses zu wenden. Verhält sich ein Ausschussvorsitzender so, dass offenbar ist, dass sich quasi kaum ein anderes Ausschussmitglied durch ihn repräsentiert fühlt, dürften diese Einladungen schlichtweg ausbleiben. Ein Schaden ist da. Er ist aber überschaubar und schrumpft mit der Zeit immer mehr.