Die niedersächsische AfD hat mitten im Streit um die Führung des Landesverbandes einen für dieses Wochenende in Hannover geplanten Sonderparteitag abgesagt. Das teilte der Landesvorstand den Mitgliedern per E-Mail mit. Der Landesvorsitzende Armin-Paul Hampel, der auf dem Parteitag abgelöst werden sollte, begründete die Absage mit mehreren Anfechtungen vor dem Landesschiedsgericht. Die Rechtslage sei zu unsicher. Sein Stellvertreter und parteiinterner Gegner Oliver Westphal bestätigte die Entscheidung: "Aktuell sieht es so aus, dass der Parteitag nicht stattfindet." Man wolle aber über ein Eilverfahren beim Amtsgericht prüfen lassen, ob das Treffen doch abgehalten werden kann.

Den Sonderparteitag hatten mehrere Kreisverbände gefordert und schließlich im November durchgesetzt. Die Gegner des umstrittenen Landesvorsitzenden Hampel wollten dort dessen Abwahl durchsetzen. Noch am Abend der Landtagswahl im vergangenen Oktober, bei der die AfD 6,2 Prozent der Stimmen erhielt, hatten sechs Mitglieder des Landesvorstandes Hampels Amtsführung kritisiert und eine Neuwahl gefordert. Sie werfen dem 60-Jährigen einen diktatorischen Führungsstil und verletzende persönliche Attacken vor. 

Der frühere Fernsehjournalist wehrte sich bis zuletzt gegen die Einberufung des Sonderparteitags. Während etwa die Vizelandesvorsitzenden und Hampel-Gegner Jörn König und Wilhelm von Gottberg die Delegierten zum Parteitag nach Hannover-Misburg einluden, rief Hampel die Mitglieder für das gleiche Datum in Gieboldehausen bei Göttingen zusammen. Dann aber machte der Landeschef einen Rückzieher und lud Ende Dezember schließlich doch zu einem "Eilparteitag" nach Hannover-Misburg ein. 

Das Chaos um die Einladungen nannte Hampel nun als Grund für die Absage. Seinen Angaben zufolge habe das niedersächsische AfD-Landesschiedsgericht die von König versandte Einladung aus formalen Gründen nicht als rechtsgültig anerkannt. Auch gegen die von Hampel versandte Einladung zum "Eilparteitag" lägen beim Landesschiedsgericht vier Anfechtungen vor. "Jetzt haben wir zwei Einladungen, die möglicherweise beide nicht gültig sind. Ich will diesen Parteitag nicht verhindern, aber ich möchte auch nicht, dass das Ergebnis angefochten wird", sagte Hampel. Der Vorstand wolle am Samstag entscheiden, wann die Veranstaltung nachgeholt wird.