Bundesagrarminister Christian Schmidt hat angekündigt, vorsorglich die Schweinepest-Verordnung verschärfen. Dazu zählten "Desinfektionsmaßnahmen in größerem Rahmen" und eine Ausweitung der Jagd auf Wildschweine. Der neue Entwurf solle "bereits in Kürze" vorliegen – nachdem er mit Bund und Ländern abgestimmt wurde. Das sagte Schmidt vor einer Sonder-Agrarministerkonferenz in Berlin.

Deutschland sei gut auf einen möglichen Ausbruch vorbereitet, sagte Schmidt. "Wenn die Afrikanische Schweinepest zu uns kommen sollte, muss sie ein regionales Phänomen bleiben." Wichtige Maßnahmen dafür seien "Stallhygiene, konsequente Reinigung von Transportfahrzeugen und Abschottung des Bestands gegenüber Wildschweinen".  Zusätzlich werde die Entwicklung eines Impfstoffs gegen die Schweinepest beschleunigt.

Auch EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis mahnte zu "maximalem Einsatz", um ein Übergreifen der Afrikanischen Schweinegrippe auf Deutschland zu verhindern. Die Epidemie sei bisher aber "nicht außer Kontrolle". 

Die Afrikanische Schweinepest breitet sich seit einigen Jahren über Russland und das Baltikum in Richtung Westeuropa aus. Für Menschen sind die Erreger harmlos. Allerdings fürchtet die Landwirtschaft Schäden in Milliardenhöhe und eine Existenzkrise für viele Unternehmen, sollte das Virus bis nach Deutschland gelangen. Einen Impfstoff gibt es nicht.

Tierschutzverbände kritisieren die geplanten Maßnahmen. Jagd sei kein Allheilmittel, sondern "Aktionismus",  hieß es vom WWF. Grund für den großen Wildscheinbestand sei der großflächige Anbau von Mais und Raps in Deutschland. Der Bauernverband hatte schon vergangene Woche gefordert, 70 Prozent aller Wildschweine in Deutschland zu erschießen. Sollte in Deutschland ein Fall festgestellt werden, drohe ein Exportstopp für Schweine. Der Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, Hilmar Freiherr von Münchhausen, sagte dazu im Interview mit ZEIT ONLINE, die Seuche sei "kein Grund, völlig kopflos Wildschweine zu jagen. Die Tiere sind in dieser Situation eher Opfer als Täter."

In Tschechien, etwa 300 Kilometer von der Deutschen Grenze entfernt, wurden bereits Fälle der Afrikanischen Schweinepest festgestellt. Nicht nur Wildschweine, auch Menschen können Überträger sein. "Etwa unter den Schuhen oder am Autoreifen. Auch ein weggeworfenes Wurstbrot, das vielleicht in Weißrussland geschmiert worden ist, kann für einen Ausbruch in Deutschland sorgen", so Agrarminister Schmidt im Interview mit den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.