Fast die Hälfte der Klagen gegen abgelehnte Asylanträge ist vor Gericht erfolgreich. Dies ergibt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Demnach endeten von Januar bis September 2017 rund 44 Prozent der Verfahren gegen Entscheidungen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) zugunsten der Asylbewerber. Dabei geht es indes allein um inhaltlich begründete Entscheidungen. Verfahren, die aus formellen Gründen eingestellt wurden, wurden nicht berücksichtigt.

Besonders hoch ist die nachträgliche juristische Anerkennung bei Asylbewerbern aus Syrien und Afghanistan. So haben 69 Prozent der Klagen von syrischen Asylbewerbern Erfolg, 61 Prozent der Klagen von afghanischen. Bei einem Großteil geht es um Personen, die einen subsidiären Schutzstatus erhalten haben, aber nicht als Flüchtlinge anerkannt wurden. Für subsidiär Geschützte ist der Familiennachzug bis März 2018 ausgesetzt.   

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke kritisierte angesichts dieser hohen Zahl erfolgreicher Klagen die Bundesregierung. Die "politisch gewollte Abschreckung dieser Flüchtlingsgruppen" führe zu Fehlentscheidungen, sagte Jelpke der Süddeutschen Zeitung. Sie forderte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf, negative Asylbescheide selbstständig zu überprüfen. "Das könnte die überforderten Gerichte mehr als alles andere schnell und effektiv entlasten."

Insgesamt wurden in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres rund 273.000 Klagen gegen Entscheidungen des Bamf eingereicht. Urteile gab es in etwa 100.000 Verfahren; in vielen kann die Asylbehörde noch in Berufung gehen. Die Gesamtzahl der Klagen gegen Entscheidungen des Bamf im Jahr 2017 hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.