Die Richter des Bundesverfassungsgerichts haben sich einen Verhaltenskodex auferlegt. In dem Regelwerk verpflichten sich die Verfassungsrichter, ihr Amt unabhängig, überparteilich, diskret und in Würde auszuüben sowie das Ansehen des Gerichts nicht zu beeinträchtigen.

Der Kodex schreibt vor, dass die Richter nur in sehr beschränktem Umfang Honorare und Geschenke annehmen sowie Einkünfte aus Vorträgen, Veranstaltungen und Publikationen offenlegen.

Auch das Verhalten ausgeschiedener Richter wird durch den Kodex geregelt. So sollen diese in ihrem Sachgebiet ein Jahr lang keine Beratertätigkeit übernehmen, keine Gutachten verfassen und nicht vor Gericht auftreten. Gleiches gilt dauerhaft für Rechtssachen, die ihnen während ihrer Amtszeit anhängig waren. Außerdem dürfen die ehemaligen Richter niemanden vor demVerfassungsgericht vertreten, um so den Eindruck einer "unangemessenen Verwertung internen Wissens" zu vermeiden.

Einen konkreten Anlass für das Regelwerk nannte das Gericht nicht. Allerdings war unter anderem der frühere Gerichtspräsident Hans-Jürgen Papier in der Vergangenheit wiederholt kritisiert worden. Nach seinem Ausscheiden im Jahr 2010 verfasste er gegen Honorar Gutachten, wobei er auch zu möglichen Verfahren des Bundesverfassungsgerichts schrieb – etwa der Laufzeit von Atomkraftwerken.

Im Frühjahr 2017 hatte Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle angekündigt, Verhaltensregeln für die Richter aufstellen zu wollen. Der Kodex ist eine Art freiwillige Selbstverpflichtung. Bei Fehlverhalten drohen keine Strafen, da niemand das Bundesverfassungsgericht kontrolliert. Das Gericht möchte die Leitlinien regelmäßig im Plenum besprechen und bei Bedarf weiterentwickeln.