Die Zahl der Minderjährigen in der Bundeswehr hat einen neuen Höchststand erreicht. Im vergangenen Jahr waren laut einem Bericht der Rheinischen Post 2.128 Soldaten, darunter 448 Soldatinnen, bei Dienstantritt noch nicht volljährig. Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

Damit ist die Zahl minderjähriger Rekruten seit der Aussetzung der Wehrpflicht kontinuierlich gestiegen. 2011 traten noch 689  ihren Dienst an. 2016 waren es bereits 1.907. Die Zahl der minderjährigen Soldatinnen hat sich in diesem Zeitraum sogar verachtfacht. Auch nach dem Absolvieren der sechsmonatigen Probezeit waren im vergangenen Jahr 90 Soldatinnen und Soldaten immer noch nicht volljährig.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Evrim Sommer kritisierte die Entwicklung. "Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat offenbar keine Skrupel, die Nachwuchsgewinnung immer weiter vorzuverlegen", sagte Sommer der Rheinischen Post. Solange Deutschland selbst Minderjährige für militärische Zwecke rekrutiere, könne es andere Staaten dafür nicht glaubwürdig kritisieren. "Die Bundesregierung gefährdet damit ihre eigenen Bemühungen zur internationalen Ächtung des Einsatzes von Kindersoldaten", sagte Sommer. Die Linke forderte bereits 2016 einen Rekrutierungsstopp für Minderjährige in der Bundeswehr. 

Das Verteidigungsministerium hat die Praxis in der Vergangenheit verteidigt. Die Bundeswehr nehme Minderjährige ausschließlich für eine militärische Ausbildung auf. Die gesetzlichen Vertreter müssten einem Diensteintritt zustimmen. Minderjährige dürften nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen, der Gebrauch von Waffen sei auf die Ausbildung beschränkt. Darüber hinaus unterscheide sich ihre Ausbildung aber nicht von der Volljähriger.

Die Gesamtzahl freiwilliger Bewerber geht zurück. Im vergangenen Jahr meldeten sich bis Ende August 10.105 Männer und Frauen. Im Vergleich zu 2016 sei das ein Rückgang von mehr als 15 Prozent, teilte das Verteidigungsministerium mit. Die Bundeswehr richtet sich mit Werbemaßnahmen etwa über YouTube-Videoserien wie Die Rekruten oder Mali – Folge uns in den Einsatz direkt an eine junge Zielgruppe.