Das SPD-Urgestein Erhard Eppler und weitere Sozialdemokraten fordern eine erneute Amtszeit ihres Parteigenossen Sigmar Gabriel als Außenminister. "Ich sehe niemanden, der das Amt des Außenministers besser bekleiden kann als Sigmar Gabriel", sagte der frühere Bundesminister der Welt am Sonntag. Der Präsident des Wirtschaftsforums der SPD, Michael Frenzel, sagte: "Es wäre sehr, sehr schade, müssten wir auf Gabriel als Außenminister verzichten." Gabriel leiste "eine hervorragende sozialdemokratische Europa- und Außenpolitik".

Die SPD-Politiker stellten sich damit gegen die mögliche Führung des Auswärtigen Amtes durch Parteichef Martin Schulz, dem laut Welt am Sonntag aus SPD-Kreisen Interesse an dem Posten des Außenministers nachgesagt wird. Schulz will Personaldiskussionen vorerst vermeiden, doch Eppler äußerte sich deutlich. Gabriel sei "eine Figur mit politischem Gespür. Man kann mit ihm streiten, aber er weiß, was er will".

Gabriel ist nicht Teil des Sondierungsteams, das mit der Union über eine mögliche Regierungsbildung verhandelt. Der frühere SPD-Chef meldete sich zuletzt aber in zahlreichen Interviews zu Wort, auch mit Bedingungen für das Zustandekommen einer neuen großen Koalition.

Dialog mit Türkei

Auch als Außenminister sorgt er aktuell für hohe Aufmerksamkeit: Am Samstag hatte er sich in seinem Heimatort Goslar mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu getroffen. Die deutsch-türkischen Beziehungen sind seit längerer Zeit belastet, unter anderem wegen der Deutschen, die in türkischer Haft sitzen. Die beiden Außenminister wollen die Beziehungen beider Länder "auf eine bessere Basis stellen". Sie würden ihren Kollegen in den Wirtschaftsministerien empfehlen, die Tagungen der deutsch-türkischen Wirtschaftskommission wieder einzuberufen. Auch der strategische Dialog der Außenministerien solle wieder aufgenommen werden, hieß es.

Der frühere Wehrbeauftragte und langjährige Bundestagsabgeordnete Reinhold Robbe sprach sich ebenfalls für eine erneute Berufung Gabriels aus: "Die SPD wäre sehr schlecht beraten, in dieser unsicheren Welt mit den vielen Krisenherden auf Sigmar Gabriel als Außenminister zu verzichten." Sogar als geschäftsführender Außenminister sei er "präsenter als viele andere". Robbe verwies zudem auf das hohe Ansehen Gabriels im In- und Ausland, er ist mehreren Umfragen zufolge derzeit der beliebteste Politiker.

Merkel ist optimistisch

Nun müssen die Sondierungen aber erst einmal das gewünschte Ergebnis bringen. Kanzlerin Angela Merkel sagte zu Beginn der Verhandlungen: "Ich glaube, es kann gelingen." Sie gehe optimistisch in die Gespräche. "Allerdings ist mir klar, dass in den nächsten Tagen auch ein Riesenstück Arbeit vor uns liegt." 

Die CDU gehe mit dem Ziel in die Gespräche, die Voraussetzungen für eine stabile Regierung zu schaffen. Es müssten die Grundlagen geschaffen werden, "dass wir auch in fünf und zehn Jahren weiter gut und im Wohlstand leben können, in Sicherheit leben können, in der Demokratie leben können". Dafür gelte es, den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu festigen und zu verbessern, was bedeute, sich um Arbeitsplätze und um gerechte Verteilung zu sorgen sowie um Innere und Äußere Sicherheit.