Er sei nun Muslim und wolle in der AfD bleiben. Unbedingt. Das sagt der Brandenburger AfD-Politiker Arthur Wagner, der jüngst zum Islam konvertiert ist. Der 48-jährige Russlanddeutsche, der mit seiner Familie in Falkensee (Havelland) lebt, hat sich bislang nicht öffentlich über seinen Religionswechsel äußern wollen. Aber nun spricht der Konvertit über den Übertritt, über den selbst die BBC berichtet hatte.

Warum verlässt er die Rechtsaußenpartei nicht, die den Islam bekämpft? "Ich bleibe nationalkonservativ, bis ich sterbe", sagt Wagner dem Tagesspiegel. "Ich stehe dazu, ich kann nicht anders: Es gibt einen deutschen Geist, eine deutsche Seele. Fast jeder AfDler hat das." Und: "Wenn wir diese deutsche Seele, das Deutschtum nicht beschützen in den kommenden Jahren, dann ist das Ding weg, dann ist Deutschland weg."

Und dabei hat er seine Mission gefunden, die er auf einer Pressekonferenz am frühen Abend in Potsdam erläutert. Er hatte ins Restaurant "Fliegender Holländer" geladen, der Medienandrang war gewaltig. Nach seinem "Salamaleikum" folgte ein einstündiger Auftritt mit skurrilen Zügen.

"Ein kleines Kind der großen Islam-Welt"

Er sei zwar noch ein "kleines Kind in der großen Islam-Welt", sagte Wagner da, den man jetzt auch Ahmad nennen darf. Doch wolle er den jungen deutschen Islam mit den Nationalkonservativen versöhnen, Brücken bauen. "Wir müssen reden, wie Männer, wie Menschen." Und er spricht viel von "Liebe", "Frieden", seinen spirituellen Erfahrungen. Ja, er habe einen deutschen und einen russischen Pass, sagt Wagner irgendwann. Angela Merkel sei seine Kanzlerin, und Wladimir Putin sein Präsident. Zwar wolle er den russischen Pass abgeben, aber das sei ja kompliziert.

Er hat von den Gerüchten in der AfD gehört, dass er von Geheimdiensten geschickt worden sei. Polizei und Geheimdienste finde er auch gut, sagt er. "Ich habe damit nichts zu tun. Wenn die Fragen haben, können die sich gern an mich wenden!" Es sind sonderbare Szenen, die sich zutragen.  

Ehe er zum Islam konvertierte, habe er mit der evangelischen Kirche gebrochen. Er sei in der früheren Sowjetunion aufgewachsen und "immer auf der Suche nach Wahrheit", sagt Wagner. "Ich war Atheist, ich habe als treues Parteimitglied gegen Kirchen gekämpft, bis 1989, bis ich 20 war." Evangelischer Christ sei er im August 1989 geworden. Bei einem Besuch in Dresden habe er sich mit seiner Familie taufen lassen, "das war eine große spirituelle Erfahrung". Danach habe er ein halbes Jahr in Riga Theologie studiert, auch die orthodoxe und die neuapostolische Kirche kennengelernt.

Sätze aus einem anderen Jahrhundert

Ausschlaggebend für seine Abkehr von der evangelischen Kirche fast drei Jahrzehnte später sei – neben deren Haltung zur AfD – vor allem der Christopher Street Day vorigen Sommer gewesen, bei dem auch Pfarrer teilgenommen hätten, sagt Wagner. "Das hat mich wahnsinnig gemacht. Da waren auch Kinder dabei. Für Kinder ist es nicht richtig, dass sie das hören und sehen." 

Es sind Sätze wie aus einem anderen Jahrhundert, voller Ernst formuliert. Danach sei er mit der evangelischen Kirche fertig gewesen, wenngleich er den "bürokratischen" Austritt erst jetzt erkläre.