Angela Merkel hat sich in den vergangenen Tagen einiges anhören müssen: Von "schweren Fehlern" war die Rede, der Koalitionsvertrag und vor allem die Verteilung der Ministerämter kämen einer "Demütigung" der CDU gleich. Die Kanzlerin gefährde gar den Status der CDU als Volkspartei. Die Stimmung an der Basis sei miserabel. Und überhaupt: Merkel müsse endlich ihre Nachfolge regeln.

All diesen Kritikern hat Merkel jetzt im ZDF-Interview mit einer Kampfansage geantwortet. Die nächsten vier Jahre werde mit ihr zu rechnen sein, sowohl als Kanzlerin als auch als Parteichefin. Selbst im Fall von Neuwahlen stehe sie bereit. Auf die Frage, ob sie derzeit einen Autoritätsverlust erlebe, antwortete sie kühl: "Nein, das empfinde ich nicht so."

Hat da jemand komplett das Gefühl für die politische Realität und die Stimmung in der eigenen Partei verloren? Lässt Merkel all die Kritik einfach ungerührt an sich abprallen, weil sie vor lauter Selbstherrlichkeit nicht mehr mitbekommt, was in ihrer Partei los ist?

Ein spezielles Kritikerlager

Wohl kaum. Merkel schätzt das Kritikerlager eben bislang als noch nicht ausreichend gefährlich für sich ein. Denn wer meldet sich derzeit öffentlich zu Wort? Noch sind das drei recht spezielle Gruppen: Die einen sind solche, die niemand kennt (der CDU-Hinterbänkler Michael von Abercron). Die anderen sind Merkels altbekannte Feinde, die nun die Gelegenheit zum Angriff sehen. Männer mit einem "Ex" im Titel: Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz, Ex-Umweltminister Norbert Röttgen und Ex-Ministerpräsident Roland Koch. Und die dritte Kritikergruppe ist so etwas wie ein inoffizieller Unterstützerkreis von Merkels derzeit lautestem Gegenspieler, Finanzstaatssekretär Jens Spahn.

Viel spannender ist dagegen, wer sich bislang nicht äußert. Im Machtzentrum der Partei, in den Reihen der bisherigen Minister und Ministerpräsidenten, genießt Merkel nach wie vor sehr viel Unterstützung. Es gibt zwar viel Ärger an der Basis über den Verlust des Finanzministeriums an die SPD und des Innenministeriums an die CSU. Nicht wenige aber dürften Merkels zentrales Argument teilen, warum sie dem Kompromiss mit der SPD am Ende doch zugestimmt hat: Deutschland braucht eine stabile Regierung, Europa und die Welt brauchen ein handlungsfähiges Deutschland.

Scheitern war keine Option

Wie hätte es in einer solchen Situation ausgesehen, wenn die Koalitionsverhandlungen daran gescheitert wären, dass sich SPD und Union nicht auf Ministerposten einigen konnten? Merkel hat abgewogen: Das Scheitern der Gespräche hätte für die Demokratie eben weit fatalere Folgen gehabt als der Verzicht auf ein wichtiges Ministerium für die CDU.