Nach dem Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit CSU und SPD mehren sich auch in der CDU die Forderungen nach einer personellen Erneuerung der Partei. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch rief seine Partei dazu auf, sich auf die Zeit nach Merkels Kanzlerschaft einzustellen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther forderte eine Verjüngung des Bundeskabinetts. Derweil sieht CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn die Christdemokraten bereits gut aufgestellt.

Günther sagte im Deutschlandfunk, die CDU-Vorsitzende Merkel habe nun die Chance, bei der Kabinettsbildung "für neue Gesichter zu sorgen". Es müsse eine Verjüngung geben, da die CDU im Moment vor einem historischen Prozess stehe: "Denn es ist ja noch nie gelungen, innerhalb einer Kanzlerschaft auch zu organisieren, dass eine Partei über die Zeit einer Kanzlerin hinaus auch eine Regierungsperspektive hat", sagte der 44-Jährige. 

In der Vergangenheit habe sich die Partei "viel zu sehr darauf ausgeruht", Merkel "im Prinzip alle Aufgaben" übertragen zu haben, sagte Günther weiter. Merkel sei nicht nur Parteivorsitzende und Kanzlerin, "am besten musste sie auch noch alle unterschiedlichen Flügel der Union repräsentieren". Zugleich betonte der Ministerpräsident, Merkel solle für die gesamte Legislaturperiode Kanzlerin und CDU-Vorsitzende bleiben.

"Wir sind doch nicht in einer Monarchie"

Spahn sprach sich in der österreichischen Presse am Sonntag dafür aus, den Wettbewerb um Spitzenämter in der Partei dann auszutragen, "wenn es so weit ist". "Wir sind doch nicht in einer Monarchie, in der man seine eigene Nachfolge selbst regelt", sagte Spahn: "Wenn es so weit ist, dann werden sich Kandidaten auch durchsetzen müssen." Spahn gehört dem konservativen Flügel der CDU an und wurde wiederholt als Kandidat für die Kanzlerschaft der Nach-Merkel-Ära gehandelt.

Er sehe seine Partei personell für die Zeit nach Merkel gewappnet, sagte Spahn weiter. Die CDU habe überall gute Leute wie etwa den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, Thüringens CDU-Chef Mike Mohring, die stellvertretende Bundesvorsitzende Julia Klöckner sowie die Bundestagsabgeordneten Paul Ziemiak und Carsten Linnemann. Auf die Frage, ob es Kandidaten gebe, die auch sofort das Ruder übernehmen könnten, antwortete Spahn: "Nach meiner Erfahrung hat sich immer jemand gefunden, wenn es so weit war." Ziemiak, der auch Vorsitzender der Jungen Union ist, sagte, mit Blick auf die personelle Erneuerung der Partei erwarte er von Merkel bis zum CDU-Parteitag Ende Februar ein klares Zeichen.

Merkel selbst wird sich am Sonntagabend in der ZDF-Sendung Berlin direkt Fragen zur geplanten Neuauflage der großen Koalition stellen. Zuletzt war aus der CDU vor allem die Verteilung der Ministerien kritisiert worden. So verlöre die CDU – sollte die Koalition zustande kommen – das Finanzministerium an die SPD und das Innenministerium an die CSU. Auch die generelle Kritik am Koalitionsvertrag hatte sich zuletzt gehäuft.