Die Universitätsstadt Freiberg in Sachsen möchte keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen. Einen entsprechenden Antrag will die Kommune bei den zuständigen Behörden in Sachsen einreichen. Mit 23 Ja-, sechs Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen hatte sich der Freiberger Stadtrat am Donnerstagabend für ein vierjähriges Zuzugsverbot für anerkannte Flüchtlinge ausgesprochen.

Freiberg wäre die erste sächsische Kommune, die einen Zuzugsstopp erwirkt. Im vergangenen Jahr hatten die niedersächsischen Orte Wilhelmshaven, Salzgitter und Delmenhorst ein zeitweises Zuzugsverbot erlassen. Auch für das brandenburgische Cottbus stoppte der zuständige Innenminister bis auf Weiteres den Zuzug von Flüchtlingen in die Stadt.

"In Freiberg haben wir ein Maß erreicht, wo wir handeln müssen, bevor wir handlungsunfähig werden", sagte Freibergs Bürgermeister Sven Krüger, der direkt nach der Sitzung des Stadtrates eine Pressemitteilung veröffentlichte. Schon im vergangenen April hatte der SPD-Politiker öffentlichkeitswirksam um mehr Geld für seine Stadt wegen der Integration von Geflüchteten geworben.

Damals hatte Krüger einen zweieinhalbseitigen Brief an Angela Merkel verschickt. Angehängt war eine Rechnung. Posten für Posten hatte Krüger alle Ausgaben für die Integration von Flüchtlingen aufgelistet. Die Rechnungssumme betrug 736.200 Euro. So viel hatte Krüger für das Jahr 2016 addiert. Genau diesen Betrag wollte er erstattet bekommen.

Freiberg liegt zwischen Dresden und Chemnitz. Laut Angaben der Stadt leben derzeit etwa 2.000 Flüchtlinge in der Gemeinde mit 42.000 Einwohnern. Das sind weniger als fünf Prozent der Bevölkerung.

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands dominiert in Freiberg die Silizium- und Solarindustrie. Neben Groß-Unternehmen wie Solarworld zogen zahlreiche kleine Firmen in das Einzugsgebiet der Stadt. Der Haushalt der Stadt ist seit Jahren ausgeglichen und weist Überschüsse aus. Laut aktuellem Haushaltsplan erwirtschaftete die Stadt 2017 insgesamt 81.545.300 Euro Erträge. Nach Abzug der Ausgaben blieb der Kommune ein Gewinn von 1.778.900 Euro.