Die bayerische Heimat wird in einem eher schlichten Bau aus den Fünfzigern verwaltet. Früher war in dem Gebäude in Nürnberg die Bayerische Staatsbank untergebracht, im Keller stehen noch die dicken Tresore von damals. Vor ziemlich genau vier Jahren eröffnete hier das bayerische Heimatministerium, genauer gesagt: die Außenstelle Nürnberg des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat.

Es war eine Idee des Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der im Wahljahr 2013 die Einrichtung eines Heimatministeriums verkündete, des ersten seiner Art in Deutschland. Inzwischen allerdings ist es nur noch mit dem Namen Markus Söder verbunden, der als erster Heimatminister genügend Zeit hatte, dem Haus seinen Stempel aufzudrücken.

Während sich Söder in Bayern daran macht, Seehofer als Ministerpräsident nachzufolgen, eifert der ihm nun in Berlin in Sachen Heimat nach: Seehofer soll nicht nur Bundesinnenminister werden, die CSU hat durchgesetzt, dass das Ministerium auch für Bauen und eben Heimat zuständig ist. Sofort folgte der Spott: Tweets unter dem Hashtag #HeimatHorst zeigten den Maßkrug schwenkenden Seehofer, zur Einarbeitung wurden ihm Heimat-Groschenromane empfohlen. Auch die Jusos ärgern sich: Sie wollten einen Aufbruch in Europa und kein heimeliges Ministerium, sagte die stellvertretende Vorsitzende Delara Burkhardt.

Viel Spott hatte sich auch Söder damals anhören müssen, als er sein neues Amt antrat. Von der "Villa Markus" war die Rede, die Opposition sprach von einem "PR-Gag". Für SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher war der neue Dienstsitz lediglich das "Homeoffice" des Nürnbergers Söder. Und dann immer wieder diese Versprecher: "Heimatmuseum", sagten die Leute, nicht immer nur versehentlich.

Es schreit nach Klischees

Bayern und Heimat: Es schrie ja geradezu nach Klischees. Dirndl, Berge, weiß-blauer Himmel, Bier, das in Massen konsumiert wird, und vielleicht noch ein bisschen Katholizismus, den man in der Monstranz vor sich herträgt. Christliches Abendland halt. Was würde ein christsozialer Heimatminister schon groß zu tun haben, außer Bierfässer anzuzapfen und zu verhindern, dass jemand den Sankt-Martins-Umzug in Laternenfest umdeklariert? Selbst das fränkische Main-Echo titelte: "Mysterium Heimatministerium".

Doch mit Folklore habe der Job nichts zu tun, fühlte sich Söder immer wieder bemüßigt klarzustellen, der sonst schon mal betont, wie gut ihm eine Lederhose stehe. Und Seehofers Definition von Heimat lautete: "Der ländliche Raum ist für uns die Heimat. Und wir wollen der Heimat mehr Rechte geben, dass sie sich selbst verwaltet."

Landesentwicklung und Breitbandausbau

Es geht also um anderes. Um einen Auftrag von höchster Stelle, festgeschrieben seit 2013 im Artikel 3 der bayerischen Verfassung. Der Freistaat, heißt es da, "fördert und sichert gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land". Söder übersetzt es auf der Website seines Hauses so: "Landesentwicklung und Breitbandausbau – das sind die zentralen Aufgaben des Heimatministeriums."

Söder übergibt die Zusagen für die Finanzierung des Breitbandausbaus gern persönlich. Mit der Verteilung dieser Förderbescheide erlangte er zumindest bayernweit Ruhm. "Söder übergibt Förderbescheide …", so beginnt auch ein Großteil der Pressemitteilungen des Ministeriums. Seehofer ließ sich sogar mal zu der Aussage über seinen Erzrivalen hinreißen: "Wer täglich Förderbescheide verteilt, ist noch kein Stratege."

"Das Heimatministerium kann ein Exportschlager sein"

Effektiv jedenfalls war Söder: 1.685 Gemeinden hätten nun schon einen Förderbescheid erhalten, teilte er im Dezember mit – mehr als drei Viertel aller bayerischen Kommunen. "Nur wo Breitband vorhanden ist, werden Arbeitsplätze entstehen und erhalten." 1,5 Milliarden Euro stelle der Freistaat für den Ausbau zur Verfügung, eine bundesweit einzigartige Summe. Mit einem speziellen "Höfebonus" will das Ministerium darüber hinaus auch kleine Weiler und Einödhöfe an das Glasfasernetz anschließen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit in Bayern ist die Landesentwicklung. Hier hat Söder vor allem mit einer Reform des Landesentwicklungsprogramms (LEP) von sich reden gemacht und steht dafür in der Kritik: Viele machen den Minister für die Zubetonierung Bayerns verantwortlich. Denn Söder will das sogenannte Anbindegebot lockern. Sprich: Neue Gewerbegebiete müssen künftig nicht mehr in direkter Nähe von Siedlungen gebaut werden, sondern dürfen zum Beispiel auch an Autobahnausfahrten entstehen. Der ländliche Raum brauche Möglichkeiten, um sich zu entwickeln, er sei kein Museum, sagt Söder. Die Opposition sieht das erwartungsgemäß etwas anders. Die Grünen organisieren gerade ein Volksbegehren gegen den Flächenverbrauch. Titel: "Damit Bayern Heimat bleibt – Betonflut eindämmen".

Daneben sieht das LEP noch zahlreiche weitere Maßnahmen vor, etwa höhere Zuschüsse für Gemeinden mit großem Bevölkerungsschwund. Aber auch eine Änderung des Alpenplans gehört dazu, die den Bau der umstrittenen Skischaukel am Riedberger Horn ermöglicht.

Der ländliche Raum wird Seehofers Thema sein

Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung des ländlichen Raumes auch eine, wenn nicht sogar die wesentliche Zielsetzung von Seehofers Heimatministerium sein wird. Förderbescheide jedenfalls wird er nicht verteilen müssen. Die Zuständigkeit für digitale Infrastruktur liegt im Bund bei einem anderen CSU-Ministerium, dem für Verkehr.

Die Idee für ein Bundesheimatministerium ist übrigens nicht ganz neu. Schon vor gut einem Jahr machte sich ein CSU-Politiker dafür stark. "Das Heimatministerium kann ein Exportschlager sein", hieß es damals. "Es gibt in Deutschland genügend ländliche Regionen, die abgehängt werden." Nach bayerischem Vorbild könne man sich um die strukturschwachen Räume kümmern: beispielsweise mit Finanzhilfen für Not leidende Kommunen, Behördenverlagerungen und dem Ausbau universitärer Strukturen auf dem flachen Land. Der Mann, von dem der Vorschlag stammte, hieß Markus Söder.