ZEIT ONLINE: Frau Barley, Sie haben für die SPD den Koalitionsvertrag für die Familienpolitik mitverhandelt. Ich bin alleinerziehende Mutter und freiberufliche Journalistin. Wie wollen Sie in der neuen Regierung verhindern, dass mein Kind in Armut aufwächst?

Katarina Barley: Kinderarmut ist Elternarmut, deshalb setzen wir bei den Eltern an. Für Freiberuflerinnen sind die sehr hohen Kosten für die Krankenversicherung ein großes Thema. Die wollen wir senken. Außerdem wollen wir mehr und vor allem gebührenfreie Kitaplätze. Das ist gerade für Alleinerziehende entscheidend, um Beruf und Kinder vereinbaren zu können. Und es spart in vielen Familien locker ein paar hundert Euro im Monat.

ZEIT ONLINE: Das stimmt. Aber sobald das Kind in die Schule kommt, haben viele Alleinerziehende wieder ein existenzielles Problem, weil sie entweder nur vormittags wenige Stunden arbeiten können – oder teure Hortplätze finden müssen ...

Barley: ... auch das ist uns bewusst. Deswegen wird ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler kommen.

ZEIT ONLINE: Das ist fortschrittlich. Es wurde aber keine grundlegende Reform der Familienpolitik beschlossen, die Kinderarmut langfristig bekämpft. Familienverbände fordern eine unbürokratische Kindergrundsicherung von ungefähr 600 Euro. Sie bleiben aber bei den bisherigen Leistungen für Familien?

Barley: Das, was wir jetzt verhandelt haben, kann sich sehr gut sehen lassen. Da ist zum einen das Kindergeld. Das möchten wir in zwei Schritten um 25 Euro erhöhen. Außerdem werden wir die andere Leistung für Eltern, die berufstätig sind, aber damit nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, erhöhen ...

ZEIT ONLINE: ... Sie meinen den sogenannten Kinderzuschlag, der 2005 mit dem Hartz IV eingeführt wurde.

Barley: Ja, der soll einfacher zu beantragen sein und um knapp 30 Euro erhöht werden. Bisher sind das 170 Euro. Insgesamt werden Kindergeld und Kinderzuschlag dann 399 Euro betragen – das aktuelle Existenzminimum für Kinder. Hinzu kommt das Bildungs- und Teilhabepaket, das an die Sozialleistungen (Kinderzuschlag und Wohngeld) gekoppelt ist. Darin sind Hilfen enthalten, die wir noch ausweiten wollen. So soll etwa die Zuzahlung zum Mittagessen für Schulkinder wegfallen, ebenso die Zuzahlung zu Fahrkarten für Schulkinder. Zudem werden wir auch dieses Bildungs- und Teilhabepaket deutlich entbürokratisieren. Rechnet man noch die gebührenfreie Kita und die Ganztagsschulplätze hinzu, ist das ein richtig großes Paket, das genau da ankommt, wo es gebraucht wird.