Union und SPD wollen den Tierschutz in der Landwirtschaft verbessern. Dazu sollen ein Tierwohllabel eingeführt und die Tötung männlicher Küken verboten werden. Das teilten die für Agrarpolitik zuständigen Verhandler der drei Parteien, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), CDU-Vize Julia Klöckner und die stellvertretende saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) in Berlin mit.

Laut Schmidt soll zudem der Einsatz des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat "so schnell wie möglich" grundsätzlich beendet werden. Dazu werde eine große Koalition – so sie denn zustande kommt – die Forschung nach Alternativen fördern, hieß es. Ein Datum für den Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung nannten die Verhandler nicht. Noch Ende November hatte Schmidt für die Bundesregierung im Alleingang bei der EU-Kommission für eine Verlängerung der EU-weiten Zulassung für das Pflanzengift gestimmt.

Das geplante Verbot des Kükenschredderns hatten CDU, CSU und SPD schon während der Sondierungsgespräche ins Auge gefasst. Nun solle es ein "sofortiges Verbot" geben, sagte Rehlinger. Rund 45 Millionen männliche Küken der Legehennenrassen würden jährlich in Deutschland getötet, weil sie keine Eier legen. Nach Angaben der Geflügelwirtschaft ist es unwirtschaftlich, die Tiere zu mästen. Schmidt hatte bereits mehrfach entsprechende Initiativen angekündigt.

Gefährliche Wölfe töten

Auch das Tierwohllabel ist seit Langem im Gespräch. Verbraucher sollen damit erkennen können, welche Hersteller tierischer Lebensmittel über die gesetzlichen Vorgaben der Haltung hinausgehen. "Die Erwartungen sind ganz klar gestiegen, wenn es um Tierhaltung geht", sagte Klöckner. Künftig sollen Verbraucher beim Kauf von Lebensmitteln demnach über umstrittene Praktiken wie das Kürzen von Schnäbeln hingewiesen werden.

Schmidt sagte, die Arbeiten an einer staatlichen Tierwohl-Kennzeichnung sollten noch in diesem Jahr beginnen. Für Informationsmaßnahmen würden etwa 70 Millionen Euro eingeplant, so Schmidt. Zudem wollen die möglichen Koalitionspartner Landwirte beim tiergerechteren Umbau von Ställen unterstützen. "Wir wollen deutlich machen, dass wir die Landwirte bei der Erfüllung dieser Qualitätserfordernisse nicht alleine stehen lassen", sagte Rehlinger.

Weiter einigten sich die drei Parteien auf das Ziel, bis 2030 insgesamt 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für den Ökolandbau zu nutzen. Rehlinger kündigte einen Vorstoß für gesündere Lebensmittel an. "Noch in diesem Jahr wird es ein Konzept mit Zielmarken und Zeitplan geben, um Zucker, Fett und Salz im Essen zu reduzieren", sagte die SPD-Politikerin.

Darüber hinaus verständigten sich die Parteien darauf, den Bestand an Wölfen in Deutschland zu reduzieren. Gefährliche Tiere sollten auch getötet werden können, hieß es.

Der Flächenverbrauch soll nach dem Willen der Verhandler eingedämmt werden. Schmidt sagte, man habe sich darauf geeinigt, dass landwirtschaftlich genutzter Boden stärker in landwirtschaftlichen Händen bleiben solle. Rehlinger sagte, man wolle verhindern, dass Aktiengesellschaften zunehmend Land aufkauften und damit eine bäuerliche Landwirtschaft zerstörten. Laut Klöckner soll der Flächenverbrauch in Deutschland auf 30 Hektar pro Tag reduziert werden.