In den Ministerien der Bundesregierung sind zahlreiche Arbeitsverhältnisse sachgrundlos befristet. In 11 der 14 Ministerien haben deutlich mehr als 2,5 Prozent der Beschäftigten einen solchen Vertrag. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Linda Teuteberg hervor, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Im Koalitionsvertrag sind die 2,5 Prozent als Obergrenze für Unternehmen ab einer bestimmten Größe gefordert. Die Bild-Zeitung hatte als Erste darüber berichtet.

Das SPD-geführte Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hatte demnach mit 13,7 Prozent am meisten solcher Arbeitsverhältnisse. Es folgen das Entwicklungsministerium (CSU) und das Bildungsministerium (CDU) mit jeweils mehr als acht Prozent, wie aus der Antwort hervorging.

Mit unter einem Prozent am wenigsten sachgrundlose Befristungen zählten der Antwort der Bundesregierung zufolge das Verteidigungsministerium (CDU), das Finanzministerium (CDU) sowie das Umweltministerium (SPD). "Wer so hart und selbstgerecht Missstände in der Wirtschaft anprangert, der sollte zuerst einmal selbst danach handeln", sagte Teuteberg.

Ministerien bilden nach eigenen Angaben zu viel aus

Die FDP-Politikerin kritisierte, die SPD handle mit ihrer Forderung nach einer deutlichen Eindämmung dieser Befristungen "doppelzüngig". Die SPD hatte in den Koalitionsverhandlungen gefordert, sachgrundlose Befristungen zu begrenzen. Mit der Union war schließlich der Kompromiss geschlossen worden, dass künftig Firmen mit mehr als 75 Beschäftigten nur noch maximal 2,5 Prozent der Belegschaft sachgrundlos befristen dürfen.

Die Ministerien setzen gerade bei Neueinstellungen auf sachgrundlos befristete Verträge. Im CSU-geführten Entwicklungsministerium machten sie im vergangenen Jahr 98 Prozent aus, beim CDU-geführten Bildungsministerium waren es 76 Prozent, beim Sozial- und Arbeitsministerium (SPD) 67 Prozent.

Laut dem Innenministerium wird im öffentlichen Dienst vielfach über Bedarf ausgebildet. Oft stünden nicht genügend unbefristete Planstellen zur Verfügung, hieß es zur Begründung. Deswegen versuchten die Bundesbehörden wenigstens einen befristeten Vertrag anzubieten. 2017 sei außerdem ein "erheblicher Anteil" der Stellenzuwächse für Entfristungen genutzt worden. Weitere Entfristungen seien geplant.