Der Parteikonvent der AfD hat beschlossen, dass AfD-Mitglieder künftig bei Kundgebungen des Pegida-Bündnisses auftreten dürfen. Das wurde aus Parteikreisen bekannt. Der sachsen-anhaltische AfD-Vorsitzende André Poggenburg feierte die Entscheidung als "Meilenstein". Er sagte der Nachrichtengentur dpa: "Der Beschluss stellt fest, dass es rechtens ist, als Vertreter der Partei aufzutreten, dass dies also nicht mehr sanktioniert wird."

Poggenburg hatte 2015 zusammen mit dem Thüringer Landeschef Björn Höcke den rechtsnationalen Flügel der AfD gegründet. Er gehört zu den Unterzeichnern des Antrags an den Konvent, das 2016 vom Bundesvorstand der Partei verabschiedete Kooperationsverbot mit dem fremdenfeindlichen Bündnis aufzuheben. Der Antrag wurde seinen Angaben zufolge im Wortlaut leicht verändert. Wörtlich lautete der am Samstag getroffene Beschluss: "Der Konvent stellt entsprechend der geltenden Gesetzes- und Rechtslage fest, dass es AfD-Vertretern möglich ist, bei Veranstaltungen von Pegida (Dresden) eigene Positionen öffentlich zu vertreten."

Im Unvereinbarkeitsbeschluss vom Mai 2016 hieß es: "Der Bundesvorstand beschließt, dass AfD-Mitglieder weder als Redner noch mit Parteisymbolen bei Pegida-Veranstaltungen auftreten sollen. Redeauftritte von Pegida-Vetretern und Pegida-Symbole auf AfD-Veranstaltungen lehnen wir ab." Damals war Frauke Petry noch Parteichefin. In weiteren Beschlüssen wurde die Unvereinbarkeit mit sämtlichen regionalen Ablegern von Pegida, wie Thügida und Legida, mit dem im Februar 2017 gegründeten Verein Freiheitlich Patriotische Alternative (FPA) und mit der Identitären Bewegung festgestellt.

Die Parteivorsitzenden Alexander Gauland und Jörg Meuthen hatten sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Verbot aufzuheben, falls sich der vorbestrafte Pegida-Chef Lutz Bachmann aus der Führung des fremdenfeindlichen Bündnisses zurückziehen sollte. Dafür gibt es jedoch bislang keine Anzeichen. Lutz Bachmann war in den vergangenen Wochen bei vielen AfD-Veranstaltungen zu Gast, unter anderem beim politischen Aschermittwoch im sächsischen Nentmannsdorf.

Bereits vor zwei Wochen hatte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern als erster Landesverband das Kooperationsverbot mit Pegida offiziell beendet. Inoffiziell war man sich schon lange nah: Bei Veranstaltungen wie der Konferenz des neurechten Compact-Magazins im Dezember geben sich Redner von AfD und Pegida das Mikrofon in die Hand. 

In Sachsen stehen 2019 Landtagswahlen an. Die AfD hat nach derzeitigen Umfragen Chancen, den Ministerpräsidenten zu stellen. Die Unterstützung von Pegida-Anhängern will man sich dabei möglicherweise zunutze machen.