Angela Merkel ist zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt worden. Im Bundestag stimmten 364 von insgesamt 709 Abgeordneten für die CDU-Vorsitzende. Anschließend fuhr Merkel ins Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, um ihre Ernennungsurkunde abzuholen. Am Mittwochmittag wurde sie von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im Bundestag vereidigt.

Merkel wird nun gemeinsam mit ihren neuen Ministern zurück ins Schloss Bellevue fahren, wo auch die 15 Bundesminister offiziell ernannt werden sollen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will dabei eine Rede halten. Die Ressortchefs sollen dann um 13.35 Uhr im Bundestag vereidigt werden. Nach dem Protokoll kommt das Kabinett um 17.00 Uhr zu seiner ersten, konstituierenden Sitzung zusammen.

Bei der Abstimmung am Morgen im Bundestag gab es 688 gültige Stimmen. 364 Abgeordnete stimmten für die CDU-Vorsitzende, 315 mit Nein, Enthaltungen gab es neun. Ungültig gewertet wurden vier Stimmen. Merkel nahm die Wahl direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses an.

Die Kanzlerin erhielt nach ihrer Wahl Blumensträuße und zahlreiche Glückwünsche. "Ich wünsche Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, von Herzen Kraft und Erfolg und Gottes Segen bei der Bewältigung Ihrer großen Aufgabe", sagte Bundestagspräsident Schäuble.

Vereidigung - »Dem Wohle des deutschen Volkes« Zum vierten Mal wird Angela Merkel Bundeskanzlerin. Eine Rückschau ihrer vier Vereidigungen © Foto: Kai Pfaffenbach / Reuters

Merkel holt Ernennungsurkunde bei Steinmeier ab

In der Opposition wurde das Abstimmungsergebnis als "schlechtes Zeichen" gewertet. Denn Merkel erhielt 35 Stimmen weniger, als Union und SPD über Mandate im Bundestag verfügen. Auch SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles zeigte sich verwundert über die "vielen Gegenstimmen".

In der SPD hatte es in den vergangenen Monaten erheblichen Widerstand gegen eine erneute große Koalition gegeben. In einem Mitgliederentscheid Anfang März hatte sich aber eine deutliche Mehrheit der Sozialdemokraten dafür ausgesprochen. Da die Abstimmung im Bundestag geheim ist, lässt sich nicht exakt sagen, wie viele Abweichler es in den eigenen Reihen gab und wie viele Stimmen Merkel aus anderen Fraktionen bekommen hat.

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Merkel wurde bereits 2005, 2009 und 2013 zur Kanzlerin gewählt. Bei der Wahl vor fünf Jahren hatte sie 42 Stimmen weniger bekommen, als allein mit den Abgeordneten von CDU, CSU und SPD möglich gewesen wäre. Bei ihrer ersten Kanzlerwahl bekam sie 51 Stimmen weniger, als ihr die große Koalition theoretisch hätte geben können.