Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hält nichts von einer Beobachtung der rechtspopulistischen AfD durch den Verfassungsschutz. "Wir sollten klug genug sein, alles zu vermeiden, was die AfD als Märtyrer erscheinen lässt", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das mobilisiere nur ihre Anhänger. Er beobachte zwar eine Radikalisierung der AfD. Doch gehe es darum, einen Dialog zu führen und Populisten mit einer vernünftigen Debattenkultur zu entzaubern. "Wir müssen wegkommen vom gegenseitigen Beschimpfen – und in der Sache diskutieren."

Die AfD, die bei der Bundestagswahl drittstärkste Kraft war, ist in Sachsen stärkste Kraft. Kretschmer schloss jegliche Zusammenarbeit seiner Partei mit der AfD aus. 

In der Flüchtlingsfrage zeigte der Ministerpräsident Verständnis für Kommunen, die sich gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge sperren. Dies sei "kein Zeichen von Unlust oder Verweigerung", sagte Kretschmer. Vielmehr gebe es "objektiv ein Problem, was die Integration angeht". So fehlten beispielsweise Plätze in Schulen und Kindergärten. Außerdem gebe es Probleme mit Menschen, die sich nicht an "unsere Werte und Gesetze halten wollen".

In Städten wie Cottbus träten jugendliche Migranten in Gruppen auf und ließen sich "von normaler Ansprache nicht beeindrucken". Kretschmer forderte eine bessere Handhabe, vor allem bei Minderjährigen. Es gebe ein neues Kriminalitätsphänomen. "Wenn wir in dieser Situation beherzt handeln, beseitigen wir viele Irritationen", so Kretschmer.