EFSF-Abstimmung Der fliegende Bundestag
Die Zeit ist knapp. Lange weiß keiner, worüber abgestimmt werden soll. Ein Protokoll der 40 Stunden, in denen sich die Abgeordneten auf die EFSF-Abstimmung vorbereiten
© Rainer Jensen/dpa/lbn

Bundeskanzlerin Angela Merkel (mit FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jörg van Essen)
Es ist 18 Uhr 24 am Montagabend, als auf dem Computer von Johannes Kahrs eine E-Mail aufblinkt. Der Absender: das Bundesfinanzministerium. Im Anhang: ein vierseitiges Dokument. Es trägt den Titel "Maximierung der vorhandenen Kreditvergabekapazität der EFSF". Kahrs, Sozialdemokrat aus Hamburg und Mitglied des Haushaltsauschusses, macht sich einen Tee und setzt sich an den Küchentisch. Draußen ist es schon dunkel, der Abgeordnete beginnt zu lesen.
Es ist der Beginn eines Wettlaufes. In ihm wird es letztlich darum gehen, wie schnell der Deutsche Bundestag in Krisenzeiten reagieren kann. Und vielleicht auch darum, wie gut der Politikbetrieb fertig wird mit einer Krise, die immer undurchschaubarer wird. Er wird mehr als 40 Stunden lang dauern, bis Mittwochmittag. Und streng genommen beginnt er nicht am Küchentisch von Johannes Kahrs, sondern im Konrad-Adenauer-Haus, wenige Stunden früher.
Da steht der Fraktionsvorsitzende der CDU, Volker Kauder, vor einer Schar von Journalisten und gibt bekannt, was er am Freitag noch abgelehnt hat: Nicht nur der Haushaltsausschuss, sondern alle 620 Abgeordneten des Bundestages, sollen jetzt den neuen Hebeln für den Rettungsfonds EFSF zustimmen. "Es ist richtig, dass wir das im Bundestag besprechen", sagt Kauder. Seither weiß der SPD-Mann Kahrs, dass er am Mittwoch wieder über den Euro abstimmen wird. Worüber allerdings, das kann er sich nur aus der Presse zusammenreimen. So geht es allen Abgeordneten im Bundestag. Bis wenige Stunden später die erste E-Mail kommt.
19 Uhr 30, ARD-Hauptstadtstudio. Frank-Walter Steinmeier lächelt in die Kamera. Der Fraktionschef der SPD gibt den Tagesthemen ein Interview, das am Abend gesendet werden soll. Steinmeier sagt, dass er es richtig finde, dass nun das Parlament und nicht "geheime Ausschüsse" über die neuen Regeln für den EFSF entscheiden. Ob die Sozialdemokraten denn zustimmen werden, fragt die Moderatorin. "Das kann man verantwortungsvoll nur dann beantworten, wenn man die Texte wirklich kennt", antwortet Steinmeier. Das viereinhalbseitige Dokument, den Steinmeier zu diesem Zeitpunkt vorliegen hat, habe er auf dem Weg ins Studio nur kurz "überflogen".
21 Uhr. Das Bundesfinanzministerium schickt das Papier aus Brüssel nun an alle 620 Abgeordneten. Die Parlamentarier beginnen zu lesen. Es ist ein schlecht übersetzter Text, es geht um "Leverage" und "Segmentierung", es wimmelt von kryptischen Formulierungen und Schachtelsätzen. Viele Abgeordnete denken zu diesem Zeitpunkt, das es sich um das Dokument handelt, über das sie am Mittwoch abstimmen sollen. Ein SPD-Mann schimpft: "Da geraten doch selbst Ökonomen ins Schwimmen". Andere räumen offen ein, dass sie an diesem Abend nur die Hälfte verstanden haben. Manch ein Abgeordneter liest bis tief in die Nacht.
Dienstag, 8 Uhr 10. Florian Toncar gibt dem Deutschlandradio ein Interview. Toncar, Haushaltspolitiker der FDP, wirkt an diesem Morgen besonders zupackend und ausgeschlafen. Er sagt, dass er verstehen könne, wenn einige Abgeordnete überfordert seien. Aber andererseits sei es doch besser, wenn deutsche Abgeordnete die Entscheidung träfen als "andere Leute", Beamte in Brüssel zum Beispiel, die vom Volk nicht gewählt seien. Toncar betont erneut, dass die FDP zustimmen wird. Einige Medien sehen da noch die Kanzlermehrheit bedroht. Die ist aber schon zu diesem Zeitpunkt nicht in ernster Gefahr.
9 Uhr, Jakob-Kaiser-Haus. Peter Altmaier muss plötzlich weg. Der Geschäftsführer der Unionsfraktion hat eigentlich zum Pressefrühstück geladen, aber nun springt er auf und stürmt aus dem Raum: ein wichtiges Telefongespräch. Ob die Kanzlerin nun doch zurücktritt, scherzen die Journalisten. Aber nein, Altmaiers Job ist es, die Fraktion zu organisieren. Und in dieser Stunde gibt es noch viel zu organisieren und erklären. Altmaier spricht von "Term Sheets", "Guidelines" und "Entschließungsanträgen". Als ein Journalist die Frage stellt, über was der Bundestag in etwas mehr als 24 Stunden eigentlich abstimmen werde, lächelt Altmaier. "Wir werden politisch entscheiden", sagt er. Sicher sei, dass die Kanzlerin mit dem Ergebnis der Abstimmung mit dem nötigen Mandat in Brüssel verhandeln könne. Was das zu bedeuten hat, wird erst Stunden später klar. Noch kennt niemand den Text, über den der Bundestag abstimmen wird. Und noch wissen viele nicht, dass im Hintergrund die Koalitonsspitzen über ihn beraten.
- Datum 26.10.2011 - 08:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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News Headline Summary
The Bundesbank’s gold reserves may be used as collateral in the event that the EFSF can’t meet its payment obligations according to reports.
als ob der Euro noch dem Goldstandard entspräche, bzw. an ihn gebunden wäre.
Lang lang ist's her.
Das war noch DM. Irgendwann.
als ob der Euro noch dem Goldstandard entspräche, bzw. an ihn gebunden wäre.
Lang lang ist's her.
Das war noch DM. Irgendwann.
geht auf. Unsere völlig aus der Logik gefallenen Politiker liefern mit Freude und Engagement Steuermilliarden ( die für den Bürger und seine Infrastruktur gedacht sind) an obskure Kanäle aus. TINA! Es geht doch um den Frieden in Europa und in der Welt! Keine Phrase ist zu hohl, um diesen ungeheuren Vorgang der finanziellen Auswaidung des eigenen Volkes zu beschönigen.
Aber wo bleibt unsere Reaktion???
.
... mit welcher EINMÜTIGKEIT, diesem Raubzug des Globalkapitals jetzt auch noch der parlamentarische Stempel aufgedrückt wurde.
Gruß Max Stockhaus
--
Der Schirm wird weitere 2-3 Jahre seine Dienste tun,
bis auch er aufgebraucht und durchlöchert ist.
Was dann geschieht?
Ich mag nicht darüber nachdenken...
Aber wo bleibt unsere Reaktion???
.
... mit welcher EINMÜTIGKEIT, diesem Raubzug des Globalkapitals jetzt auch noch der parlamentarische Stempel aufgedrückt wurde.
Gruß Max Stockhaus
--
Der Schirm wird weitere 2-3 Jahre seine Dienste tun,
bis auch er aufgebraucht und durchlöchert ist.
Was dann geschieht?
Ich mag nicht darüber nachdenken...
Und wir bezahlen den ganzen "Spaß" auch noch.
Bitte abschalten oder die Verbdinung kappen. Danke!
kann lesen
kann schreiben
kennt jemanden, der lesen und schreiben kann
Was mich ärgert, ist die Chuzpe, mit der Bundestagsabgeordnete sich und anderen einreden, ihre von Verantwortlichkeit freien Entscheidungen (sie haften ja nicht, anders als das Volk) seien demokratisch legitimiert.
Das sind sie nicht!
Das Volk hat nur keine Möglichkeit, die Eigenmächtigkeiten der Abgeordneten zu verhindern. Man kann gar nicht so viele davon abwählen wie neue nachrücken.
.....dass Sie sich nicht durch das GG geschützt fühlen? Das wäre schon dick. ;)
.....dass Sie sich nicht durch das GG geschützt fühlen? Das wäre schon dick. ;)
Die ganze Crew hat doch schon lange auf Autopiloten umgeschaltet, alle Zustimmung ist doch nur blabla. Computer haben die Steuerung nach einem festen und alternativlosen Kurs übernommen. Der Kurs läuft nach dem elektronischen Navigationssystem EFSF ab, der im Flight Management System (FMS) gespeichert ist.
Schwerwiegende Folgen können falsch programmierte oder „aus dem Ruder“ laufende Autopiloten nach sich ziehen. Letzteres tritt insbesondere bei zu schwach dimensionierten Systemen auf, beziehungsweise bei besonders heftigen Wellen und Winden oder bei Segelkursen vor dem Wind, wenn die Regelautomatik zu schwach oder zu stark reagiert.
Und die Software vom Autopiloten stammt wohl aus der Schmiede Goldmann Sachs, der Beraterbank der Bundesregierung!
Und die Software vom Autopiloten stammt wohl aus der Schmiede Goldmann Sachs, der Beraterbank der Bundesregierung!
Die Neufassung des EFSF Rahmenvertrages wird den Bundestagsabgeordneten einen Tag vor der Abstimmung über den EFSF zugestellt. Zu ihrem Bedauern werden die Abgeordneten feststellen, dass der Vertrag auf swahili abgefaßt ist und lt. EU Währungskommissar Olli Rehn "aus zeitlichen Gründen" nicht mehr übersetzt werden konnte.
Herr Scheuble wird sich dann widerwillig bereit erklären den Übersetzer zu spielen und den Abgeordneten den EFSF Rettungsschirm in einer Form nahebringen, die der Wahrheit - wenigstens in Teilen - entspricht. Worte wie "Hebel", "Banklizenz" unbd "Versicherungslösung" werden in diesem Kontext nicht erwähnt - das würde zuviel Unruhe ins Plenum bringen. Mit kritischen Nachfragen aus den Plenum ist sowieso lediglich seitens ein paar "Fressen" zu rechnen, den man selbige notfalls verbietet.
wird nur dann als solche gewertet, wenn er bereit ist, ein Drittel seines Privatvermögens in den Schirm einbringen- ansonsten zählt die Stimme als "Nein".
Das dürfte doch kein Problem sein, denn die Abgeordneten entscheiden ja zum Wohle des Volkes und sind ja überzeugt, dass D das Geld wiederbekommen wird.
Mit dieser Regelung werden wir ein EHRLICHES Abstimmungsergebnis erhalten.
Das würde nichts nützen, denn diese Peanuts würden die Banken gerne erstatten, dafür daß die Politiker das jetzige und künftige Volksvermögen willfährig in ihre Taschen umleiten.
Das würde nichts nützen, denn diese Peanuts würden die Banken gerne erstatten, dafür daß die Politiker das jetzige und künftige Volksvermögen willfährig in ihre Taschen umleiten.
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