Rückzug : FDP-Vize Pinkwart zieht sich aus Politik zurück

Andreas Pinkwart lässt seine politischen Ämter auslaufen. Der FDP-Politiker übernimmt ab April kommenden Jahres die Leitung der Handelshochschule Leipzig.
Von Düsseldorf nach Leipzig: Andreas Pinkwart lässt die Politik hinter sich © Achim Scheidemann/dpa

Der nordrhein-westfälische FDP-Chef und stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen, Andreas Pinkwart , wechselt von der Politik in den Hochschulbereich: Zum 1. April kommenden Jahres übernimmt er die Leitung der Handelshochschule Leipzig (HHL).

Wie der 50-Jährige mitteilte, tritt er jedoch nicht mit sofortiger Wirkung zurück, sondern lässt seine Ämter auslaufen. Aus diesem Grund kandidiert er auf dem Bundesparteitag nicht mehr für den Posten des stellvertretenden Parteichefs, gibt das Amt des FDP-Landeschefs in Nordrhein-Westfalen auf und legt sein Mandat im Düsseldorfer Landtag nieder.

FDP-Chef Guido Westerwelle bedauert den Rückzug Pinkwarts. Er habe mit ihm sowohl in dessen Funktionen als Landeschef und Bundesvize in den vergangenen Jahren hervorragend zusammengearbeitet. Pinkwarts Bildungs- und Wissenschaftspolitik finde Anerkennung nicht nur bei den Liberalen. Westerwelle respektiere aber die Entscheidung. So könne er verstehen, dass Pinkwart sich einer spannenden neuen Aufgabe in der Wissenschaft widmen wolle.

Westerwelle unterstrich, die FDP freue sich auf viele weitere Impulse Pinkwarts zu Wissenschaft und Bildung, "jetzt aus einer anderen Aufgabe heraus". Nach Angaben von FDP-Generalsekretär Christian Lindner soll Pinkwart auch weiterhin in die Arbeiten am neuen Grundsatzprogramm eingebunden sein.

Pinkwart ist seit Dezember 2002 Landesvorsitzender der FDP in NRW. Seit 1997 gehört er mit Ausnahme einer zweijährigen Unterbrechung dem Bundesvorstand der Liberalen an. Seit Mai 2003 zählt er zu den drei stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Liberalen.

In der im Mai abgewählten schwarz-gelben Landesregierung war Pinkwart Minister für Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie stellvertretender Ministerpräsident. Bei der Landtagswahl trat er als Spitzenkandidat für die Liberalen an und ist nun kulturpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion.

Pinkwart hatte bereits von 1994 bis 1997 an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf Volks- und Betriebswirtschaft gelehrt und wurde 1998 als Professor an die Universität Siegen berufen.

Verlagsangebot

Die Macht der Vorurteile

Vorurteile prägen unseren Alltag. Woher sie kommen. Wem sie nützen. Und warum man sie so schwer loswird. Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

26 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Lobbyarbeit

Unter der Voraussetzung, dass Herr Pinkwart als ehemaliger Landesminister auch zuständig war für Hochschulpolitik, macht es wohl viel Sinn, dass er nun die Leitung einer (Handels)Hochschule übernimmt. So kann er seine während seiner Zeit als Politiker errungenen Informationen und Beziehungen am gewinnbringendsten in seiner neuen Position einsetzen.
...So etwas sollte strengeren Restriktionen unterworfen werden.

Die Welt ist böse

Es macht natürlich gar keinen Sinn, jemanden mit Erfahrung in Hochschulpolitik und einer Wirtschaftsausbildung so einen Posten anzubieten. Sollen die doch einen nehmen, der nichts mit Wirtschaft zu tun hatte und möglichst noch nie gewählt wurde und noch nie gewählt hat.
Wollen Sie eigentlich, dass das ganze Parlament mit Berufspolitikern besetzt ist, die nie irgend etwas anderes gemacht haben? Das müsste natürlich vom Bundestag bis hin zum Gemeinderat gelten, denn die Menschen können Ihrer Meinung nach nicht zwischen Job und Politik unterscheiden. Außerdem sollte man Politikern den Umgang mit potentiellen Wählern verbieten, denn die könnten möglicherweise Lobbyarbeit leisten.

Ich glaube

die Kritik war weniger seinem beruflichen background gewidmet, als der Tatsache, dass er den Bereich wo er jetzt arbeiten möchte politisch so zurecht gerückt hat wie es ihm gefällt. Das ist sicher nicht illegal, aber es gibt genug fälle, wo dies unsäglich ist, wie zb beim Schröder. Ich selbst glaube, das es in diesem Fall hier nicht so schlimm ist, weil er nicht wirklich eine Firma zb begünstigt hat, aus der er nutzen schlägt, aber es bleibt ein Nachgeschmack, den ich für berechtigt halte. Der Filz ist groß in Zeiten, in denen Pseudoliberale und Konservative Macht haben wie lange nicht mehr.

Die ganze Diskussion führt wohl in die falsche Richtung

Moin,
Pinkwart nimmt langsamen Abschied von der Politik, übernimmt einen Job. Na und? Wichtiger als die Nebensächlichkeit, wo er zukünftig seine Brötchen verdient, ist doch die Frage nach seinem politischen Erbe. Nutzt die FDP die Gelegenheit, nach dem Platzen der Blase (um einmal im börslichen Sprachgebrauch zu bleiben) in den Umfragen, sich zu erneuern und ein weniger monothematisches Profil zu entwickeln. Ein Profil, wo neben dem Primat der freien und ungezügelten Wirtschaft auch die zivilgesellschaftliche Freiheit und die Verantwortung in und gegenüber dieser Zivilgesellschaft Gewicht haben. Besser nicht neben sondern über dem Primat.
Hier sind nun aber die Nachfolger Pinkwarts gefragt, beispielsweise Gisela Piltz. Von ihr und den anderen Mitstreitern sollte die Rede sein, sollte man etwas hören und lesen, zumindest in Zukunft.
Beste Grüße
Grabert

Fallrückzieher

Die Frage die sich mir stellt ist doch eher: Warum treten zur Zeit ausschließlich Politiker aus dem schwarz-gelben Lager zurück? Koch, von Beust, Köhler, Pinkwart, Rüttgers, Althaus, gewissermaßen auch Öttinger und Wulff ... Franz Müntefering zog sich aus der Politik zurück um seine todkranke Frau zu pflegen und kehrte nach ihrem Tod in die Politik zurück. Steinmeier blieb nach verlorener Bundestagswahl im Amt. Seit Schröder und Fischer (beide sozusagen Realos ihrer Parteien) hat sich aus dem anderen Lager keiner mehr "verdrückt" ...
Nun wechseln diverse konservative und liberale (gut, bisher nur einer) Politgesichter unterschiedlichster Neigungsintensität den Beruf. Raus aus der Politik. In dem wirklich krass unterschätzten Film "Starship Troopers" wurde eine Politikerposse schön auf den Punkt gebracht: "Nach dem Massaker übernahm Skymarshal Diehn die volle Verantwortung ... und trat zurück." In diesen Fällen geht es ja nur selten um diese merkwürdig chronische Fehlverknüpfung "Verantwortung übernehmen - zurücktreten", die aus meiner Sicht ziemlich absurd ist. Aber etwas anderes müsste man doch zum Thema Verantwortung sagen: Politiker haben eine große Menge davon. Es ist sicherlich auch arg vereinfacht zu behaupten dass sich hier Leute aus ihrer Verantwortung stehlen, aber dennoch liegts mir auf der Zunge. Oder aber: Ziehen die sich zurück weil sie schon ahnen, dass irgendwas ganz arg schiefgehen wird demnächst? Global? Wirtschaftlich? Sicher ist: Sie wissen mehr als wir...