Meurer: Die Kritik von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul daran, dass Israel in den letzten Kriegstagen Streubomben eingesetzt hat, erzürnt den Zentralrat der Juden in Deutschland. Die Ministerin hat eine Untersuchung der UNO gefordert. Zentralratspräsidentin Charlotte Knobloch wirft ihr jetzt vor, Zitat: "Diese Leute unterstützen die Antistimmung gegen Juden in Deutschland."

Am Telefon begrüße ich jetzt Evelyn Hecht-Galinski. Sie ist die Tochter des früheren Präsidenten des Zentralrats der Juden und Mitglied der Organisation Europäische Juden für einen gerechten Frieden. Guten Morgen, Frau Hecht-Galinski!

Hecht-Galinski: Guten Morgen, Herr Meurer!

Meurer: Der Zentralrat der Juden hat ja die Kritik von Ministerin Wieczorek-Zeul an dem Einsatz von Streubomben scharf zurückgewiesen, weil sie einseitig sei. Sie wiederum kritisieren deswegen den Zentralrat. Warum?

Hecht-Galinski: Weil es für mich besonders unerträglich ist und auch für viele meiner jüdischen Mitstreiter, dass sich der Zentralrat zum wiederholten Male als Sprachrohr der israelischen Regierung in Deutschland versteht, anstatt sich um die sozialen Belange der Gemeindemitglieder in den jüdischen Gemeinden in Deutschland zu kümmern. Das ist die eigentliche Aufgabe. Ich möchte nicht von einem Zentralrat vertreten werden, der nur die israelische Politik vertritt. Jetzt kommen heute wieder in den Zeitungen die Antisemitismusvorwürfe von Frau Knobloch und Herrn Korn. Nicht diejenigen, die Israels Politik kritisieren, fördern den Antisemitismus, sondern diejenigen, die schweigen und damit zulassen, dass das Bild von hässlichen Israeli und inzwischen auch von hässlichen Juden, was ja nicht gleich ist, weil Jude gleich Israeli, das muss einmal ganz scharf getrennt werden, das wird leider vom Zentralrat alles kaputt gemacht.

Meurer: Nun wirft ja der Zentralrat der Ministerin Wieczorek-Zeul nicht vor, sagt er jedenfalls, antisemitisch zu sein. Verstehen Sie den Zentralrat, auch dass er besonders empfindlich ist, wenn Israel kritisiert wird?

Hecht-Galinski: Empfindlich schon, aber nicht abbügeln oder abbürsten jeglicher Kritik. Zum Beispiel wurde Dr. Verleger, der Mitglied im Direktorium des Zentralrats war, nach seiner Kritik - der hat ja auch nur gesagt die Vergehen im Libanon, in Gaza, gezielte Tötung, unverhältnismäßige Bombardierung und dergleichen - gleich von seiner Gemeinde als Delegierter im Zentralrat abgesetzt. Dann die Buchvorstellung von Rupert Neudeck, den man ja auch sehr oft im Deutschlandfunk hört. Die wurde verhindert von der Frankfurter jüdischen Gemeinde. Die evangelische Kirche hatte einen Raum zur Verfügung gestellt. Die mussten das absagen, weil die Frankfurter Gemeinde unter Arno Lustiger und Herrn Graumann das verhindert hat, dass er dort sein neues Buch vorstellen konnte, das sich ja mit diesem Thema beschäftigt. Und so geht es ja immer schon. Jegliche Kritik wird als Antisemitismus verurteilt, und dadurch ist ja schon fast jeder mundtot gemacht worden. Frau Wieczorek-Zeul wird ja von Frau Merkel auch schon als alleinige SPD-Stimme quasi hingestellt.