Engels: Am Telefon ist nun Karl Brenke. Er ist Arbeitsmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, kurz DIW, das Ganze in Berlin. Guten Tag, Herr Brenke!

Brenke: Guten, Tag Frau Engels!

Engels: Wir haben es ja gerade noch einmal gehört. Die Vorschläge zu einer Hartz-Reform reichen von kleiner Korrektur bis hin zur Forderung nach einer Generalrevision. Was sagen Sie?

Brenke: Wir haben jetzt gegenwärtig eine Debatte über die Kostenexplosion bei Hartz IV. Das muss man aber relativieren, weil wir haben mit der Einführung von Hartz IV eine Reihe von Gesetzesänderungen, die dazu geführt haben, dass automatisch der Kreis der Empfänger von Arbeitslosengeld II steigt. Denken Sie bitte daran, dass wir insbesondere bei den Älteren die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld I, wenn ich es mal so nennen will, verkürzt haben. Das führt zwangsläufig dazu, dass der Kreis der Personen, die in Arbeitslosengeld II hineinwachsen, steigt. Das macht sich natürlich bemerkbar.

Auf der anderen Seite ist es tatsächlich so, dass wir steigende Kosten bei Hartz IV auch deshalb haben, weil es in der Vergangenheit handwerkliche Fehler gegeben hat, beispielsweise deshalb, weil viele Jugendliche jetzt die Chance hatten, aus dem Elternhaus rauszuziehen und das unter zur Hilfenahme von Arbeitslosengeld II, und dass wir auch Bewegungen hatten, dass zumindest formal manch ein Paar, was nicht verheiratet war, sich getrennt hat und jetzt der Bezugskreis von Arbeitslosengeld II auch deshalb zumindest nicht gesunken ist.

Engels: Das ist das Thema der Bedarfsgemeinschaften, die ja angestiegen sind. Werden denn jetzt mit diesen Änderungen, die die Bundesregierung bereits auf den Weg gebracht hat, hier Änderungen auch tatsächlich greifen können?

Brenke: Na ja, es wird zumindest bei den Jugendlichen wohl so sein, dass jetzt sehr viel schärfer hingeguckt wird, ob man wirklich aus dem Elternhaus herausziehen kann. Allerdings hatten wir früher Regelungen bei der Sozialhilfe, dass es ein Rückgriffsrecht auf das Einkommen der Eltern gibt. Das hat man nicht wieder eingeführt. Das heißt, man wird lediglich den Effekt haben, dass die Zahl der Jugendlichen, die ausziehen, nicht stark weiter wachsen wird. Das ist aber immer noch unbefriedigend.