Geiseldrama in BerlinBankräuber kidnappt Bus

Nach einem Banküberfall heute Morgen im Berliner Bezirk Steglitz hat einer der beiden Täter einen Linienbus gekapert. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch zwei Geiseln in der Gewalt des Geiselnehmers. von Andreas Leimbach für Zeit.de

Christian Matzdorf ist ein freundlicher Polizist. "Nein", sagt er ruhig, ob ein Sturm auf den Bus bevorstehe, könne er natürlich nicht sagen. Seit Stunden muss sich der für die Öffentlichkeitsarbeit der Berliner Polizei zuständige Matzdorf mit solchen Fragen herumschlagen, mit denen die nervöse Journalistenschar ihn löchert. Die augenblicklich "statische" Situation zehrt an den Nerven aller Beteiligten.

Inzwischen hat auch der Busfahrer den gekidnappten Bus verlassen können. Damit befinden sich in dem Doppeldeckerbus der BVG nur noch der Geiselnehmer sowie ein männlicher Fahrgast und eine Polizistin. Alle übrigen Fahrgäste wurden auf der morgendlichen Irrfahrt des Busses nach und nach freigelassen.

Nach bisherigen Erkenntnissen war heute Morgen um 9:41 Uhr eine Filiale der Commerzbank im Berliner Stadtteil Steglitz von zwei Tätern überfallen worden. Auf der Flucht stürmte daraufhin einer der beiden Bankräuber den Bus der Linie 185. Unklar ist zur Stunde, ob die Polizistin bei der Verfolgung der Täter in den Bus gelangte oder ob sie sich auf dem Weg zur Arbeit befand.

Die Irrfahrt endete schließlich am S-Bahnhof Schöneberg in der Nähe der Stadtautobahn, die teilweise gesperrt wurde. Dort verhandelt die Polizei derzeit mit dem Geiselnehmer. Matzdorf bestätigte, dass im Bus ein Schuss gefallen sei, durch den nach seiner Kenntnis allerdings niemand verletzt wurde. Die Polizei geht davon aus, dass sich die Beute nicht mehr im Besitz der Täter befinde. Der zweite Bankräuber konnte bisher nicht gefasst werden.

Bei der zweiten Geisel handelt es sich nach neuesten Erkenntnissen um einen Mitarbeiter des SfB (Sender freies Berlin), der über sein Handy auch einen Kontakt des Geiselnehmers zu einem Berliner Radiosender hergestellt hat.

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  • Quelle (c) DIE ZEIT 15/2003
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