Zwei unterschiedlichere Männer hätten wohl kaum zusammenfinden können: Ein ehemaliger israelischer Inlandsgeheimdienstchef und ein palästinensischer Philosoph. Doch Ami Ayalon und Sari Nusseibeh sind unzertrennlich, seit sie am 25. Juni ihren ehrgeizige Friedensplan lanciert haben. "Was wir haben, ist keine Liebensaffäre, sondern eine Ehe, die auf gemeinsamem Interesse und geteiltem Leid basiert," sagt Nusseibeh in einem Interview, das am Freitag in Haaretz erscheint. Jetzt müssen bloß mehr die beiden Völker von dieser Vernunftheirat überzeugt werden. Konkret geht es darum, so viele Unterschriften wie möglich für ein Abkommen zu sammeln, das dem Nahost-Konflikt ein Ende setzen würde. Worum geht es? Die wichtigsten Punkte lauten: Israel zieht sich zu den Grenzen von 1967 zurück; die Palästinenser gründen ihren Staat im Westjordanland und Gazastreifen. Um die Zahl der Siedler zu verringern, die ihre Häuser verlassen müssen, können "Grenzkorrekturen" vorgenommen werden, die auf einem gleichwertigen Territoriumsaustausch beruhen. Die Palästinenser verzichten auf die Verwirklichung des Rückkehrrechts, die Flüchtlinge (von 1948 und ihre Nachkommen) begnügen sich mit finanziellen Entschädigung und der Möglichkeit, sich in dem neuen Palästinenserstaat niederzulassen. Jerusalem wird zu "einer offenen Stadt, die Hauptstadt zweier Staaten" - die arabischen Viertel unterstehen palästinensischer Souveränität und die jüdischen Nachbarschaften unter israelischer. Palästina wird zum "Hüter des Haram al-Sharif (für die Juden der Tempelberg) zum Wohl der Muslime. Israel wird zum Hüter der Westmauer (Klagemauer) zum Wohl des jüdischen Volkes." Beide Seiten einigen sich darauf, dass "die vollständige Implementierung des Abkommens" das Ende des Konflikts bedeutet.Bisher haben fast 20.000 Israelis die Petition unterschrieben; auf der anderen Seite der Grünen Linie ist die Begeisterung für den Plan geringer: dort haben knapp 2000 Palästinenser ihre Unterschrift unter das Dokument gesetzt. Die beiden Initiatoren aber sind sich sicher, dass sich der Erfolg einstellen wird. Denn ihr Ausgangspunkt waren Umfragen, nach denen 70 Prozent der Israelis wie auch der Palästinenser mehr oder weniger für einen solchen Friedensplan bereit seien, während aber eine Mehrheit auf beiden Seiten zugleich nicht glaubt, dass es dazu auf der anderen Seite einen Partner gäbe. "So kamen wir zu der Schlussfolgerung, dass dies der einzige Weg zu einem Abkommen ist und allein eine Massenbewegung die jeweiligen politischen Führungen zu dessen Umsetzung zwingen kann," erklärt Ami Ayalon, der ehemalige Geheimdienstler.Die Diskrepanz in dem bisherigen Echo bestärkt die israelischen Skeptiker, die auf die Abwesenheit eines Friedenslagers auf palästinensischer Seite verweisen, sie verweist aber auch auf fundamentale Unterschiede in beiden Gesellschaften. So sind öffentliche Unterschriftenaktionen bei den Palästinensern etwas Neues, vor allem wenn es darin darum geht, Positionen zu unterstützen, die noch vor kurzem einem Tabubruch gleichkamen - wie in diesem Fall der Verzicht auf die Verwirklichung des einst zum Heiligtum erklärten Rückkehrrechts. "Wir versuchen etwas ganz Neues in unserer politischen Kultur", sagt Nusseibeh, der Philosoph. "Wir sagen den Leuten, dass sie bisher über historische Entscheidungen nur in den Zeitungen gelesen oder im Fernsehen erfahren haben." Aber jetzt könnten sie ihr Schicksal in die Hand nehmen und Einfluß ausüben. Eine solche Botschaft aber brauche Zeit, bis sie ankomme.Während Ayalon und Nusseibeh nun durchs Land ziehen, hoffen sie auf einen Schneeballeffekt. "Es ist ein Paradox: Je mehr Palästinenser unterzeichnen, umso mehr Israelis wird es geben, die mitmachen, und umgekehrt." Jetzt braucht es nur noch viele prominente Köpfe, die bereit sind, ihr Photo in der nächsten geplanten Anzeigenserie mit dem Slogan "ich habe unterschrieben" veröffentlichen zu lassen.