Die Spannungen im Südchinesischen Meer nehmen zu: Nach Angaben Taiwans und des US-TV-Senders Fox News hat China Flugabwehrraketen auf einer umstrittenen Insel in diesem Gebiet stationiert. Das kommunistische Land habe mehrere Raketen nach Woody Island in der Paracel-Inselgruppe gebracht, teilte das taiwanesische Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Um wie viele es sich handelte, gab es nicht bekannt. China versuchte, die Berichte herunterzuspielen.

Die Insel wird auch von Taiwan und Vietnam beansprucht. Die USA hatten die chinesische Politik im Südchinesischen Meer bereits mehrfach kritisiert und Kriegsschiffe dicht an den von China hier gebauten künstlichen Inseln vorbeifahren lassen. Das hatte Peking empört und die Asean-Staaten zum Widerstand gegen die Volksrepublik ermuntert.

Das taiwanesische Verteidigungsministerium teilte mit: "Das Militär wird anschließenden Entwicklungen genaue Aufmerksamkeit schenken." Wichtige Parteien sollten zusammenarbeiten, "damit Frieden und Stabilität in der Region des Südchinesischen Meers aufrechterhalten werden". Sie sollten von jeglicher unilateralen Maßnahme Abstand nehmen, die Spannungen steigern würde, hieß es.


Fox News berichtete ebenfalls, dass Boden-Luft-Raketen auf die Paracel-Gruppe verlagert worden seien. Der amerikanische Sender identifizierte sie als zwei Batterien eines Systems namens HQ-9. Die Raketen haben eine Reichweite von rund 200 Kilometern, was sie in dem Umkreis zu einer Gefahr für alle Zivilisten und Militärflugzeuge macht.

Alles nur aufgebauscht?

Der chinesische Außenminister Wang Yi warf den Medien vor, die Angelegenheit aufzubauschen. Er wies darauf hin, China baue Leuchttürme, Wetterstationen sowie Rettungs- und Schutzeinrichtungen für Fischer. Als größter Küstenstaat im Südchinesischen Meer habe China viel getan, um der internationalen Gemeinschaft öffentliche Güter zur Verfügung zu stellen. Der Bau militärischer Infrastruktur stimme mit dem internationalen Recht auf Selbstverteidigung und -schutz überein.

Die Philippinen erklärten, diese jüngste Entwicklung erhöhe die regionalen Spannungen. Der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Harry B. Harris Jr., sagte, es sei ihm nicht möglich, die Berichte zu bestätigen. Allerdings mache ihn die Sache schwer besorgt. "Wenn Raketen da sein sollten, könnte das ein Hinweis einer Militarisierung des Südchinesischen Meers in einer Weise sein, von der der chinesische Präsident Xi gesagt hatte, er würde es nicht so machen."

Die australische Außenministerin Julie Bishop sagte, wie die USA spreche auch Australien China nicht das Souveränitätsrecht ab. Australien begrüße die Aussage des chinesischen Präsidenten Xi Jinping, nach der sein Land nicht beabsichtige, diese Inseln zu militarisieren.

Viele Bodenschätze unter dem Meer

Taiwan und China beanspruchen fast das gesamte 3,5 Millionen Quadratkilometer große Südchinesische Meer für sich, darunter auch die Paracel-Gruppe. Vietnam und die Philippinen haben ebenfalls Ansprüche angemeldet. In kleinerem Ausmaß stellen auch Brunei und Malaysia Forderungen. Das Meer ist unter anderem deshalb wichtig, weil unter ihm viele Bodenschätze vermutet werden und wichtige Schifffahrtsrouten hindurchführen.

Chinas Territorialansprüche waren auch ein Hauptthema eines Gipfels von US-Präsident Barack Obama und den zehn Mitgliedsstaaten des südostasiatischen Asean-Bündnisses in Kalifornien. Die Teilnehmer forderten eine friedliche Lösung anhaltender Streitigkeiten um Inseln und Gewässer in der Region. Obama sagte, die Dispute müssten mit rechtlichen Mitteln gelöst werden.