Schwarzwald Open Air Dinner im Waschzuber

Wer den Baiersbronner Wanderhimmel im nördlichen Schwarzwald erobern will, braucht vor allem gute Schuhe und Ausdauer. Weil aber Marschieren hungrig macht und Essen und Trinken bekanntlich Körper und Seele zusammenhalten, wird nach der Wandertour auch für das seelische Wohlbefinden gesorgt: Im Schwarzwälder Badehaus wird den badenden Gästen ein Fünf-Gänge-Menü direkt an den Zuber serviert

Fünf-Gänge-Menü - am Zuber serviert

Fünf-Gänge-Menü - am Zuber serviert

Schwarzwald, das war dort, wo man früher mit den Eltern Urlaub gemacht hat. Kuckucksuhr,  Bollenhut, üppige Schwarzwälder Kirschtorten. Gaststuben, an deren Wänden kitschige Gemälde und Hirschgeweihe hingen. Unsere Vorstellungen von Schwarzwald sind voller Klischees. In etwa  so stellen wir uns auch das Badehaus vor. Schwarzwälder Landhaustil. Ein wenig bieder, ein bisschen angestaubt.

Doch trauen wir unseren Augen kaum, als wir durch das Tor eines unscheinbaren Hinterhofes am Rande des Ortsteils Mitteltal schreiten: Hinter dem Zaun stehen edle Blockhütten wie man sie in exklusiven Ski-Ressorts hoch in den kanadischen Rockies vermutet. Im Blockhaus ist das Licht gedämpft,  aus Lautsprechern tönt entspannende Musik. 

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Auf einem großen Holztisch stehen Schalen und Mörser aus denen es herrlich duftet: Lavendel, Zitronengras, Melisse, Salbei, Rosen, Heu und Lakritze sind darunter. Aus diesem Bouqet entstehen nach alten Klosterrezepten die Mischungen der Badewasser: Orange oder Grapefruit für belebende, leichte Bäder, Lavendel oder Rosenblätter für schwere, entspannende Kuren.

Als Bader bietet Reinhard Bosch - Masseur, Physiotherapeut und Erbauer der Holzhäuser - seinen Gästen ausgefallene Badeerlebnisse: Eine Mischung aus mittelalterlichen Ritualen, fernöstlicher Wellness und Schwarzwälder Bodenstämmigkeit. Entspannt wird im Zuber vor dem Blockhaus, in der Blockhaussauna oder sogar in ausgehöhlten Tannenstämmen im Wald. Romantische Badeplätze gibt es um Baiersbronn genügend.

Das Baderitual beginnt mit dem Ankleiden der „Bruch“. Diese traditionelle Badekleidung des Mittelalters löst auch die Stilfrage des Abends: Leinenhosen und Haube für beide Geschlechter. Die Damen bekommen zusätzlich einen Brustwickel, während die Herren sich selbst irritiert in im blasrosa Häubchen beäugen.

Der Badezuber, an ein großes Weinfass erinnernd, ist bereits im Garten des Anwesens angerichtet. Das Badewasser duftet: fruchtig, würzig, ein wenig ätherisch - sehr angenehm. In unserer mittelalterlichen Badewäsche sehen wir aus wie unsere eigenen Großeltern und besteigen den rund 38 Grad heißen Holzzuber. Rund eineinhalb Stunden sollen wir darin verbringen und dabei ein Fünf-Gänge-Menü verspeisen.

Kann das gut gehen? Schließlich steht bei Kneipp-Badesalzen doch auf der Packungsbeilage, dass die Badedauer von 20 Minuten nicht überschritten werden soll. Müssen wir also den Bottich aufgrund schrumpelnder Haut noch vor dem Dessert verlassen?

Leser-Kommentare
    • wmebh
    • 04.09.2009 um 19:53 Uhr

    Ich frage mich aber,"wo bleibt der Schwarzwälder Schinken?"

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