Skifahren in Utah

Einsamkeit als Programm

Den "besten Schnee der Welt" soll es angeblich in Utah geben. Bernd Loppow und Uwe Jean Heuser haben sich auf einer ZEIT-Reise auf die Suche gemacht. Tag 8: Solitude.

Heute ist Powder-Day

Heute ist Powder-Day

Wir sind gestern umgezogen von Park City nach Snowbird. So schön die Berge und Pisten hier sind, der Ort selbst – der nur aus einigen großen Hotels besteht – ist eine architektonische Herausforderung. Die Skistation sieht von außen aus wie eine wenig gelungenen Kopie der französischen Hochhaussiedlungen Tignes oder La Plagne. Allerdings, innen wurde mit viel Aufwand ganz stilvoll renoviert, die Zimmer des Hotels sind geräumig und der Blick aus dem heiß dampfenden Whirlpool auf die Berge im Abendlicht ist spektakulär. Andererseits: Wir machen keine Architekturreise, wir sind wegen des Utah Powder hier. Deshalb stehen wir früh auf, frühstücken opulent und steigen in unseren Geländewagen – heute geht’s nach Solitude. Das Skigebiet ist nur wenige Kilometer von Snowbird entfernt, aber wir müssen zunächst 40 Minuten erst talauswärts und dann wieder taleinwärts kurven.

Solitudes Geschichte ist schnell erzählt. Ein Minenarbeiter wollte dort oben nach Silber suchen, ein wohlhabender Sponsor aus der Gegend lieh ihm dafür 12.000 Dollar – im Gegenzug für das Versprechen, die Hälfte aller Gewinne zu erhalten. Der Silbersucher hatte schnell Erfolg, beide wurden reich, und der Investor baute auf seinem Land ein kleines Skigebiet auf. Später übernahm eine andere reiche Familie aus der Gegend den Berg. Lange war das gut fünfzig Jahre alte Solitude nur eine Skistation für den Tag, ohne Wohnungen oder Hotels. Dann wuchs langsam ein kleines Dorf am Fuß der Skilifte, gebaut im alpinen Stil, wie man hier sagt. Das einzige Hotel des Ortes ist ein hübscher, rötlicher Bau mit Giebeldach und rund 50 Zimmern. Dahinter sind Häuser mit Ferienwohnungen und Bungalows entstanden, Läden und Restaurants.

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Nun soll Solitude sogar Skifahrer aus Übersee anlocken. Dafür hat die Eignerfamilie in drei neue Lifte investiert. Trotzdem soll Solitude seinem Namen weiter alle Ehre machen. "Einsamkeit" bedeutet er, und die Gäste sollen sich mit der Natur im Einklang finden, keine Liftschlangen erdulden oder lärmenden Après Ski ertragen müssen.

Heute ist ein powder day, ein Tiefschneetag, und Brian, unser verrückter Snowboarder, hatte uns auf einem Spickzettel mit den Höhepunkten Solitudes versorgt. Die Bedingungen sind perfekt: Es hat erneut geschneit und schneit während des Tages weiter. Das Licht ist trotzdem gut – Zeit für Abfahrten im unberührten Schnee.

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