ZEIT ONLINE: Vor genau 25 Jahren sind Sie aufgebrochen...

Emil Schmid: Ja, wir hatten einen längeren Kanada-Urlaub geplant, ein oder zwei Jahre wollten wir unterwegs sein. 16. Oktober 1984 ging das Auto in Zürich am Hauptbahnhof in einen Container, wir flogen zwei Tage später hinterher. 

Liliana Schmid: Und am Ende dieses Urlaubs hatte uns das Reisevirus schon gepackt und wir haben spontan entschieden: Wir fahren weiter.

ZEIT ONLINE: So etwas muss man sich ja finanziell leisten können.

Liliana Schmid: Vor der Reise haben wir beide lange gearbeitet, ich als Sekretärin, Emil als Buchprüfer. Wir hatten einen Batzen Geld auf die Seite gelegt, am Anfang haben wir noch von den Zinsen gelebt, nachher mussten wir das Kapital angreifen. Einmal wussten wir nicht, ob wir weiterreisen können, da waren wir gerade in Burundi. Dann kam überraschend eine Erbschaft, von der wir eine Weile leben konnten, und danach sind wir langsam in die Rente reingeschlittert. Wir sind immer ganz knapp über die Runden gekommen, aber gearbeitet haben wir unterwegs nie.

Emil Schmid: Wir haben fast ausschließlich im Auto gepennt und immer selbst gekocht. Heute haben wir es ein bisschen leichter, weil der Guinness-Rekord Türen öffnet und wir oft Hotelzimmer günstiger bekommen. 

ZEIT ONLINE:
Wie hat sich das Reisen in den letzten 25 Jahren verändert?

Emil Schmid: Sehr! Zum Beispiel das mit dem Geld: Früher gab es nur eine Kreditkarte, mit der man Travellers Cheques bekam. Die tauschte man wiederum in Dollar um.

Liliana Schmid: Es gab auch noch keine Telefonkarten. In Südamerika mussten wir aufs Hauptpostamt, um unseren Anruf anzumelden. Dann hockst du dort und wartest zwei Stunden auf die Verbindung, zu meiner Mutter zum Beispiel, und dann nimmt sie nicht ab. Trotzdem war das Reisen insgesamt schöner damals, vom Verkehr und von der Luft her.

ZEIT ONLINE: Haben Sie nie Heimweh gehabt?

Emil Schmid: Nein!

Liliana Schmid: Du sprichst für dich. Ich habe aber manchmal Heimweh gehabt, jedenfalls solange meine Mutter lebte. Aber Heimweh nach der Schweiz eigentlich weniger – vielleicht hat man mal die Sauberkeit, oder das Organisierte oder einen Schweizer Käse vermisst, aber Heimweh in dem Sinne gab es nicht.

ZEIT ONLINE: Auch nicht nach den Freunden?