Weltreise "Wir wollen fahren, bis wir 90 sind!"

Im Oktober 1984 machten sich Emil und Liliana Schmidt mit ihrem Auto auf die Reise, Nordamerika war das Ziel. Heute, 654.000 Kilometer und 164 Länder später, zieht es die beiden noch immer nicht zurück in ihre Schweizer Heimat. Zum 25-jährigen Jubiläum ein Gespräch über Traumziele, Heimweh und die Geheimnisse einer Ehe auf Rädern.

Das Ehepaar Schmidt mit ihrem Landcruiser, der sie bis auf die Insel Moorea in Französisch-Polynesien gebracht hat

Das Ehepaar Schmidt mit ihrem Landcruiser, der sie bis auf die Insel Moorea in Französisch-Polynesien gebracht hat

ZEIT ONLINE: Vor genau 25 Jahren sind Sie aufgebrochen...

Emil Schmid: Ja, wir hatten einen längeren Kanada-Urlaub geplant, ein oder zwei Jahre wollten wir unterwegs sein. 16. Oktober 1984 ging das Auto in Zürich am Hauptbahnhof in einen Container, wir flogen zwei Tage später hinterher. 

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Liliana Schmid: Und am Ende dieses Urlaubs hatte uns das Reisevirus schon gepackt und wir haben spontan entschieden: Wir fahren weiter.

ZEIT ONLINE: So etwas muss man sich ja finanziell leisten können.

Emil und Liliana Schmidt
Emil und Liliana Schmidt

Am 18. Oktober 1984 begannen Emil und Liliana Schmidt mit ihrem Toyota-Landcruiser ihre Reise um die Welt. Die Fahrt des  Ehepaars ist im Guiness-Buch der Rekorde als "längste gefahrene Reise" mit demselben Auto verzeichnet. Und die beiden heute 67-Jährigen denken noch lange nicht ans Aufhören. Den Tag des 25-jährigen Jubiläums  werden sie in Tahiti begehen.  Wie und wo gefeiert wird, "hängt etwas vom Wetter ab. Sicher knallt ein Champagner-Korken und vielleicht hängen wir uns sogar eine Blumengirlande um!" (Zitat Emil Schmid)

Liliana Schmid: Vor der Reise haben wir beide lange gearbeitet, ich als Sekretärin, Emil als Buchprüfer. Wir hatten einen Batzen Geld auf die Seite gelegt, am Anfang haben wir noch von den Zinsen gelebt, nachher mussten wir das Kapital angreifen. Einmal wussten wir nicht, ob wir weiterreisen können, da waren wir gerade in Burundi. Dann kam überraschend eine Erbschaft, von der wir eine Weile leben konnten, und danach sind wir langsam in die Rente reingeschlittert. Wir sind immer ganz knapp über die Runden gekommen, aber gearbeitet haben wir unterwegs nie.

Emil Schmid: Wir haben fast ausschließlich im Auto gepennt und immer selbst gekocht. Heute haben wir es ein bisschen leichter, weil der Guinness-Rekord Türen öffnet und wir oft Hotelzimmer günstiger bekommen. 

ZEIT ONLINE:
Wie hat sich das Reisen in den letzten 25 Jahren verändert?

Emil Schmid: Sehr! Zum Beispiel das mit dem Geld: Früher gab es nur eine Kreditkarte, mit der man Travellers Cheques bekam. Die tauschte man wiederum in Dollar um.

Liliana Schmid: Es gab auch noch keine Telefonkarten. In Südamerika mussten wir aufs Hauptpostamt, um unseren Anruf anzumelden. Dann hockst du dort und wartest zwei Stunden auf die Verbindung, zu meiner Mutter zum Beispiel, und dann nimmt sie nicht ab. Trotzdem war das Reisen insgesamt schöner damals, vom Verkehr und von der Luft her.

ZEIT ONLINE: Haben Sie nie Heimweh gehabt?

Emil Schmid: Nein!

Liliana Schmid: Du sprichst für dich. Ich habe aber manchmal Heimweh gehabt, jedenfalls solange meine Mutter lebte. Aber Heimweh nach der Schweiz eigentlich weniger – vielleicht hat man mal die Sauberkeit, oder das Organisierte oder einen Schweizer Käse vermisst, aber Heimweh in dem Sinne gab es nicht.

ZEIT ONLINE: Auch nicht nach den Freunden?

Liliana Schmid: Vielleicht zu Beginn. Aber mit der örtlichen Distanz löst man sich auch von den Freunden. Wir haben das gemerkt bei den drei Malen, die wir dort waren: Man lebt ein anderes Leben. Sie fragen, wie es gewesen ist, und dann erzählen sie, dass ihre Waschmaschine kaputt ist oder so. Sie haben ihren eigenen Kreis, sie haben Familie, sie haben Kinder und so ist es eben. Außerdem macht man ja auf der Reise neue Freunde.

Emil Schmid: Mit denen haben wir eine gemeinsame Basis. Die Freunde zu Hause können nicht verstehen, wie man immer in der Welt rumreisen kann. Es ist doch so schön zu Hause, sagen sie, da kann man kegeln gehen, in einem Chor singen, weiß der Teufel was. Aber das vermissen wir nicht. In Südamerika, Asien und Afrika, da gibt es so viele, die machen dasselbe wie wir, da trifft man sich und man hat Gemeinsamkeiten.

ZEIT ONLINE:
Haben Sie denn noch irgendetwas in der Schweiz?

Emil Schmid: Der ganze Hausrat ist in einem gemieteten Dachraum gelagert. Es sind auch noch die Kleider von damals da, die könnten wir heute sicher wieder anziehen, topmodern!

ZEIT ONLINE: Haben Sie unterwegs einen Ort gefunden, der zu einer neuen Heimat werden könnte?

Liliana Schmid: Nein. Vielleicht manchmal im ersten Moment, wie in Alaska – da hat man einen See, da ist man ganz allein, und man sagt sich: Hier bleibe ich. Aber irgendwas findet man immer: zu viele Mücken oder es ist zu heiß. Einen Ort, an dem wirklich alles stimmt, den haben wir nicht gefunden. Aber: Ich bin auch nicht bereit, irgendwo zu bleiben, im Moment will ich das nicht, und deshalb finde ich immer irgendwas, was mir nicht passt, und wir fahren weiter.

ZEIT ONLINE:
Wo war es denn am Schönsten?

Emil Schmid: Afrika, sagst du immer.

Liliana Schmid: Das stimmt. Die Menschen dort lachen nicht nur, sie strahlen. Sie haben sehr wenig zum Leben und strahlen dennoch. Afrika war allerdings zum Teil auch eine Hassliebe, weil es so korrupt ist. Aber als wir mit dem Schiff aus Afrika wegfuhren, habe ich geweint.

Emil Schmidt: Ich lebe von Landschaften. Am besten hat es mir in der Sahara gefallen, mutterseelenallein unter dem Sternenhimmel.

ZEIT ONLINE:
Sie waren jetzt 25 Jahre lang jeden Tag rund um die Uhr zusammen – wie hält man das aus?

Liliana Schmid: Manchmal haben wir die Nase voll voneinander, meistens, wenn die Langeweile überhand nimmt. Dann streiten wir über irgendwas, aber das sind nur momentane Meinungsverschiedenheiten. Wir haben ja beide dasselbe Ziel: Wir reisen gerne. Und wir sind schon sehr lange zusammen. Wenn es knallt, gehe ich eine Weile spazieren, und wenn ich zurückkomme, ist alles verraucht.

ZEIT ONLINE: Gibt es noch Traumziele?

Emil Schmid: Wir denken an Papua-Neuguinea, aber da gibt es noch Unklarheiten mit der Verschiffung des Autos. Außerdem soll es da ja nicht ganz sicher sein. Und dann locken noch die Philippinen. Danach könnte Korea kommen und von da gibt es eine Fähre nach Vladivostock. Über die transsibirische Route weiter in die Mongolei und nach Tadschikistan, da waren wir noch nicht. Von da aus möchten wir dann noch mal nach Afrika.

Liliana Schmid: Emil flucht zwar immer, aber dann sucht er doch immer wieder solche schwierigen Destinationen aus.


Emil Schmid: Nachts liege ich manchmal wach und mache mir Sorgen, ob alles klappt. Aber morgens stehe ich auf und denke: Das wird schon irgendwie gehen.

 ZEIT ONLINE: Warum machen Sie das, was treibt Sie an?

Liliana Schmid: Wenn wir monatelang um Bewilligungen für bestimmte Länder kämpfen, fragen wir uns manchmal: Warum gehen wir nicht an einen Ort, wo es einfacher ist? Aber die Weltreise haben wir nie angezweifelt. Wenn man zu schnell reist, wird man reisemüde. Aber wir haben Zeit, um unsere Erlebnisse zu verkraften. Außerdem treibt uns die Neugier. Uns interessiert immer noch, was um die nächste Ecke ist.

Emil Schmid: Es gibt zwei Herangehensweisen an so eine lange Weltreise: Entweder man kehrt immer wieder an bestimmte Orte zurück – Chile lieben wir, Argentinien, Bolivien, das ist ein gutes Gebiet, dahin würde ich noch mal zurückgehen. Aber es hat sich sicher auch sehr verändert – Tourismus, Regulierungen, Verbote. Wir sind ein zweites Mal nach Thailand gefahren und waren total enttäuscht. Unsere Philosophie ist daher, nicht ein zweites Mal hinzufahren, um nicht enttäuscht zu werden. Das treibt uns zu immer neuen Destinationen, aber die werden langsam knapp.

ZEIT ONLINE: Gibt es nach 25 Jahren auf Rädern eine Bilanz?

Liliana Schmid: Die Welt ist nicht so schlecht, wie sie oft gemacht wird. Wir treffen fast ausschließlich nette Menschen.

ZEIT ONLINE: Zurück in die Schweiz steht nicht auf dem Plan?

Emil Schmid: Nein. Da können wir mit unserer Rente gar nicht mehr leben, da werden wir zum Sozialfall. Wenn wir können, fahren wir durch, bis wir 90 sind.

 
Leser-Kommentare
    • Guido3
    • 14.10.2009 um 9:53 Uhr

    Diese Erde ist so abgefahren schön; ich kann die Ansichten der Schmids zu 100% nachvollziehen. Gerade auch die Liebe zu Afrika und zur Wüste. Viele Menschen betreten in ihrem Leben zwar mal den afrikanischen Kontinent, aber fast alle davon landen in einem Touristensilo in Hurghada, Agadir, Sharm-El-Sheik oder Djerba. Afrika ist das nicht. Nur etwa 5% der Deutschen lernen in ihren Leben mal das echte (Schwarz-)Afrika kennen; z.B. Länder wie Botswana.

    Die meisten Menschen in Deutschland arbeiten von früh bis spät und von dem erarbeiteten Geld werden dann Dinge wie ein Flachbildfernseher, ein iPhone oder Markenschuhe von Nike gekauft. Man meint in diesen materiellen Dingen Befriedigung zu finden und sich so Glück zu kaufen. Geld für Reisen durch Afrika u.ä. bleibt dann vermeintlich nicht. Man funktioniert letztlich in seiner gesellschaftlich zugedachten Rolle als Konsument.

    Aber was macht ein Leben wirklich reich (abgesehen von Kindern)? Woran wird man sich erinnern, wenn man in 30 oder 40 Jahren auf sein Leben zurückblickt? Das man 2009 ein iPhone hatte? Wohl kaum. An das unglaubliche Erlebnis mit Elefanten in den Makgadikgadi Pans? An die Nacht in der Kalahari als einziger Mensch im Umkreis von 50km unter unfassbaren südlichen Sternenhimmel? Garantiert.

    Reisen ist so unheimlich sinnstiftend - wohlgemerkt Reisen und nicht Pauschalurlauben. Und es schärft den Blick für die Zustände daheim. Man lernt vieles schätzen, über das andere nur meckern, weil man Anderes kennt.

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    Leider haben Sie mit Ihrem zweiten und dritten Absatz so schrecklich recht...

    Ich muss diesem Kommentar vollkommen recht geben. Wobei ich aber nochmal unterstreichen möchte, dass allein reisen nochmal in meinen Augen, obwohl ich es nicht unbedingt jedem Geschlecht ans Herz legen möchte, wirklich das optimale ist um Land und Leute näher kennen zu lernen. Ich selbst bin schon durch Afrika und Asien getrampt. Und war auf den reisen oft alleine, und habe so eine wie schon GUIDO3 meinte völlig neue Perspektive auf die Welt bekommen. Viele meinen das es immer an dem finanziellen hapert, dass kann ich nicht bestätigen. Ich bin ohne die Visa Gebühren mit einzuberechnen in 1 Monat und 3 Wochen von Deutschland nach Indien für 85 Euro gereist. Hier passt das Sprichwort: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!"

    Sie haben mich an meinen letzten Urlaub erinnert:
    An die Nacht in der Kalahari als einziger Mensch im Umkreis von 50km unter unfassbaren südlichen Sternenhimmel
    Bei uns war's nun die Namib gewesen, aber die Erfahrung ist dieselbe, ich werde diese Eindrücke nie im Leben vergessen. Man bekommt dabei schon fast religöse Gefühle. Auch wegen der absoluten Stille. Man hört einfach nichts. Man wird sozusagen geerdet, gerade wenn man aus diesen Hamsterrad Arbeit, Termine, Stress, diesem rastlosen Ameisenhaufen kommt und sich in eine völlig andere Welt fallen lassen kann. Wir hatten aber auf unserer Reise auch ein Haus für AIDS-Waisen besucht und ein paar Lebensmittel, Geschenke usw. hingebracht, und der Besuch bei den Kindern war dann wiederum buchstäblich zum Heulen. Aber auch solche Erfahrungen sind wichtig, um das Bild rund zu machen.
    Leider hätte ich viel zu viel Angst, außerhalb Europas allein zu reisen, das wäre für mich dann auch wieder nur Stress, darum beneide ich die Männer sehr um diese Freiheit.

    "Guido3" hat mir mit seiner Antwort aus der Seele gesprochen.

    Ich erinnere mich sehr gut, wie ich nach 6 Monaten Weltreise in meine Heimatstadt zurückgekehrt bin und meine Freunde noch am ersten Abend nach meiner Rückkehr über die Vor- und Nachteile bestimmter Mobiltelefontypen und -eigenschaften diskutiert haben.

    Nach 6 Monaten und unendlich vielen neuen Eindrücken, Bekanntschaften & Erfahrungen, kam mir die Diskussion vor wie eine Farce.

    Setzen wir unsere Prioritäten nicht falsch, wenn wir stundenlang die Vorzüge von Bluetooth und GPRS diskutieren müssen?

    Müsste es uns nicht erstaunen, dass die Leute um so mehr lachen und strahlen, desto ärmer sie monetär gestellt sind?

    Ganze 6-8 Wochen hat es gedauert, bis ich wieder ein kleines Konsumkind geworden bin und mich daran gewöhnt hatte nicht mehr nur die drei T-Shirts im Rucksack als Kleiderauswahl zu haben, sondern aus dem schier unerschöpflichen Fundus meines Kleiderschrankes wählen zu dürfen.

    Fazit: Ich glaube nicht, das wir unsere Eindrücke "von unterwegs" konservieren können und wirklich 1:1 in unser Leben "hier" implementieren können - schließlich schmeckt der Rotwein den man Abends auf der Terasse während des Sonnenuntergangs in der Toskana trinkt niemals so, wie die Flasche, die man als Erinnerung mit nach Hause gebracht hat....ABER - wir können versuchen die Erfahrungen die wir auf unseren Reisen gemacht haben ein Stück weit als Bestandteil unseres Alltages zu integrieren... jeder auf seine Weise...

    Leider haben Sie mit Ihrem zweiten und dritten Absatz so schrecklich recht...

    Ich muss diesem Kommentar vollkommen recht geben. Wobei ich aber nochmal unterstreichen möchte, dass allein reisen nochmal in meinen Augen, obwohl ich es nicht unbedingt jedem Geschlecht ans Herz legen möchte, wirklich das optimale ist um Land und Leute näher kennen zu lernen. Ich selbst bin schon durch Afrika und Asien getrampt. Und war auf den reisen oft alleine, und habe so eine wie schon GUIDO3 meinte völlig neue Perspektive auf die Welt bekommen. Viele meinen das es immer an dem finanziellen hapert, dass kann ich nicht bestätigen. Ich bin ohne die Visa Gebühren mit einzuberechnen in 1 Monat und 3 Wochen von Deutschland nach Indien für 85 Euro gereist. Hier passt das Sprichwort: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!"

    Sie haben mich an meinen letzten Urlaub erinnert:
    An die Nacht in der Kalahari als einziger Mensch im Umkreis von 50km unter unfassbaren südlichen Sternenhimmel
    Bei uns war's nun die Namib gewesen, aber die Erfahrung ist dieselbe, ich werde diese Eindrücke nie im Leben vergessen. Man bekommt dabei schon fast religöse Gefühle. Auch wegen der absoluten Stille. Man hört einfach nichts. Man wird sozusagen geerdet, gerade wenn man aus diesen Hamsterrad Arbeit, Termine, Stress, diesem rastlosen Ameisenhaufen kommt und sich in eine völlig andere Welt fallen lassen kann. Wir hatten aber auf unserer Reise auch ein Haus für AIDS-Waisen besucht und ein paar Lebensmittel, Geschenke usw. hingebracht, und der Besuch bei den Kindern war dann wiederum buchstäblich zum Heulen. Aber auch solche Erfahrungen sind wichtig, um das Bild rund zu machen.
    Leider hätte ich viel zu viel Angst, außerhalb Europas allein zu reisen, das wäre für mich dann auch wieder nur Stress, darum beneide ich die Männer sehr um diese Freiheit.

    "Guido3" hat mir mit seiner Antwort aus der Seele gesprochen.

    Ich erinnere mich sehr gut, wie ich nach 6 Monaten Weltreise in meine Heimatstadt zurückgekehrt bin und meine Freunde noch am ersten Abend nach meiner Rückkehr über die Vor- und Nachteile bestimmter Mobiltelefontypen und -eigenschaften diskutiert haben.

    Nach 6 Monaten und unendlich vielen neuen Eindrücken, Bekanntschaften & Erfahrungen, kam mir die Diskussion vor wie eine Farce.

    Setzen wir unsere Prioritäten nicht falsch, wenn wir stundenlang die Vorzüge von Bluetooth und GPRS diskutieren müssen?

    Müsste es uns nicht erstaunen, dass die Leute um so mehr lachen und strahlen, desto ärmer sie monetär gestellt sind?

    Ganze 6-8 Wochen hat es gedauert, bis ich wieder ein kleines Konsumkind geworden bin und mich daran gewöhnt hatte nicht mehr nur die drei T-Shirts im Rucksack als Kleiderauswahl zu haben, sondern aus dem schier unerschöpflichen Fundus meines Kleiderschrankes wählen zu dürfen.

    Fazit: Ich glaube nicht, das wir unsere Eindrücke "von unterwegs" konservieren können und wirklich 1:1 in unser Leben "hier" implementieren können - schließlich schmeckt der Rotwein den man Abends auf der Terasse während des Sonnenuntergangs in der Toskana trinkt niemals so, wie die Flasche, die man als Erinnerung mit nach Hause gebracht hat....ABER - wir können versuchen die Erfahrungen die wir auf unseren Reisen gemacht haben ein Stück weit als Bestandteil unseres Alltages zu integrieren... jeder auf seine Weise...

  1. 2.

    Leider haben Sie mit Ihrem zweiten und dritten Absatz so schrecklich recht...

    • Yadgar
    • 14.10.2009 um 14:08 Uhr

    ...wenn man viel Glück hat! Dass man vom Pauschalurlaub in aller Regel keine neuen Erkenntnisse über die Welt, das Leben und den Menschen mitbringt, trifft sicherlich zu. Aber auch monate-, jahre- oder gar jahrzehntelange In-der-Welt-Herumflipperei in Globetrottermanier weitet nicht zwingend den Horizont (oder zumindest nicht so stark, wie man es sich als Stubenhocker gerne vorstellt): in Anbetracht etwa der Tatsache, dass zwischen etwa 1965 und 1978 Hunderttausende Hippies und sonstige Alternativtouristen (davon Zehntausende Deutsche) die Überlandroute von Europa nach Indien bereist haben und in den allermeisten Fällen dabei durch Afghanistan kamen, sollten wir eigentlich heute eine ganze Generation veritabler Afghanistanexperten haben, sollte das Niveau des Internet-Diskurses über Afghanistan merklich höher sein als das weithin verbreitete Stammtischgenörgel - ist es aber nicht! Warum? Weil man ein Land nicht verstehen lernt, wenn man es entweder nur in wenigen Tagen durcheilt oder zwar länger verweilt, sich aber hauptsächlich unter seinesgleichen, sprich anderen Globetrottern bewegt. Wer von Afghanistan hauptsächlich den Bus von Herat nach Kabul und anschließend wochenlange Kiffparty in der Chicken Street kennengelernt hat, wird nur oberflächliche Eindrücke aus dem Land mitgenommen haben.

    Um das Leben in einem beliebigen Land wirklich kennenzulernen, sollte man sich mindestens ein paar Jahre lang dort aufhalten - das wäre aber kein Globetrotting mehr, sondern Auswandern!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Guido3
    • 14.10.2009 um 20:00 Uhr

    Man reist nicht unbedingt um die Welt, um ein Experte für jedes bereiste Land zu werden. Da haben sie recht: Das dauert in der Tat viele Jahre. Man reist, um seinen eigenen Horizont zu erweitern, neue Eindrücke und Erkenntnisse zu gewinnen und sich letztlich selbst weiter zu entwickeln. Das erreicht man auch, wenn man nur ein paar Wochen in einem Land ist - sofern man wirklich im Land ist und nicht in einer abgeschotteten Scheinwelt für Touristen.

    Wenn man auf Reisen nicht von seinen Gadgets und dem ganzen technischen Hilfskram in Deutschland umgeben ist, wenn man nicht den ganzen gesellschaftlichen Zwängen unterliegt, wenn man nicht der täglichen totalen Reizüberflutung ausgesetzt ist, dann stellen sich auf Reisen fast zwangsläufig ganz neue Gefühle und Gedanken ein. Gefühle und Gedanken die man im Alltagstrott in Deutschland unmöglich bekommt. Der Blick wird freier und man erkennt die Dinge, die einen wirklich glücklich machen - und was man alles nicht zum Glücklichsein braucht. Man lernt Menschen kennen, die einen prägen. Man erkennt vielleicht, was für einem Schwachsinn man bisher in seinem Leben teilweise nachgerannt ist. Und nein, ich hänge weder irgendwelchen esoterischen Trips nach, noch pflege ich Auswanderungsgelüste oder bin Aussteiger. Ich arbeite nach wie vor viel und hart in Deutschland.

    • Guido3
    • 14.10.2009 um 20:00 Uhr

    Man reist nicht unbedingt um die Welt, um ein Experte für jedes bereiste Land zu werden. Da haben sie recht: Das dauert in der Tat viele Jahre. Man reist, um seinen eigenen Horizont zu erweitern, neue Eindrücke und Erkenntnisse zu gewinnen und sich letztlich selbst weiter zu entwickeln. Das erreicht man auch, wenn man nur ein paar Wochen in einem Land ist - sofern man wirklich im Land ist und nicht in einer abgeschotteten Scheinwelt für Touristen.

    Wenn man auf Reisen nicht von seinen Gadgets und dem ganzen technischen Hilfskram in Deutschland umgeben ist, wenn man nicht den ganzen gesellschaftlichen Zwängen unterliegt, wenn man nicht der täglichen totalen Reizüberflutung ausgesetzt ist, dann stellen sich auf Reisen fast zwangsläufig ganz neue Gefühle und Gedanken ein. Gefühle und Gedanken die man im Alltagstrott in Deutschland unmöglich bekommt. Der Blick wird freier und man erkennt die Dinge, die einen wirklich glücklich machen - und was man alles nicht zum Glücklichsein braucht. Man lernt Menschen kennen, die einen prägen. Man erkennt vielleicht, was für einem Schwachsinn man bisher in seinem Leben teilweise nachgerannt ist. Und nein, ich hänge weder irgendwelchen esoterischen Trips nach, noch pflege ich Auswanderungsgelüste oder bin Aussteiger. Ich arbeite nach wie vor viel und hart in Deutschland.

    • TDU
    • 14.10.2009 um 16:01 Uhr
    4. Schade

    Scade, dass die beiden Herrschaften keinen Chauffeur brauchen.

  2. 5.

    "Aber mit der örtlichen Distanz löst man sich auch von den Freunden." Klingt mir zu einfach und hängt m.E.n. entscheidend von den "Freunden" und einem selbst ab.

    • Guido3
    • 14.10.2009 um 20:00 Uhr

    Man reist nicht unbedingt um die Welt, um ein Experte für jedes bereiste Land zu werden. Da haben sie recht: Das dauert in der Tat viele Jahre. Man reist, um seinen eigenen Horizont zu erweitern, neue Eindrücke und Erkenntnisse zu gewinnen und sich letztlich selbst weiter zu entwickeln. Das erreicht man auch, wenn man nur ein paar Wochen in einem Land ist - sofern man wirklich im Land ist und nicht in einer abgeschotteten Scheinwelt für Touristen.

    Wenn man auf Reisen nicht von seinen Gadgets und dem ganzen technischen Hilfskram in Deutschland umgeben ist, wenn man nicht den ganzen gesellschaftlichen Zwängen unterliegt, wenn man nicht der täglichen totalen Reizüberflutung ausgesetzt ist, dann stellen sich auf Reisen fast zwangsläufig ganz neue Gefühle und Gedanken ein. Gefühle und Gedanken die man im Alltagstrott in Deutschland unmöglich bekommt. Der Blick wird freier und man erkennt die Dinge, die einen wirklich glücklich machen - und was man alles nicht zum Glücklichsein braucht. Man lernt Menschen kennen, die einen prägen. Man erkennt vielleicht, was für einem Schwachsinn man bisher in seinem Leben teilweise nachgerannt ist. Und nein, ich hänge weder irgendwelchen esoterischen Trips nach, noch pflege ich Auswanderungsgelüste oder bin Aussteiger. Ich arbeite nach wie vor viel und hart in Deutschland.

    Antwort auf "Reisen bildet..."
  3. Ich muss diesem Kommentar vollkommen recht geben. Wobei ich aber nochmal unterstreichen möchte, dass allein reisen nochmal in meinen Augen, obwohl ich es nicht unbedingt jedem Geschlecht ans Herz legen möchte, wirklich das optimale ist um Land und Leute näher kennen zu lernen. Ich selbst bin schon durch Afrika und Asien getrampt. Und war auf den reisen oft alleine, und habe so eine wie schon GUIDO3 meinte völlig neue Perspektive auf die Welt bekommen. Viele meinen das es immer an dem finanziellen hapert, dass kann ich nicht bestätigen. Ich bin ohne die Visa Gebühren mit einzuberechnen in 1 Monat und 3 Wochen von Deutschland nach Indien für 85 Euro gereist. Hier passt das Sprichwort: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!"

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    • jurifi
    • 18.10.2009 um 15:29 Uhr

    moritz, bist du das??? ich düse am mittwoch wieder ab nach afrika und werde über land zurückreisen - vorzugsweise per anhalter und natürlich wie immer am liebsten allein - und das als frau. es geht und frau macht wunderbare erfahrungen dabei, gerade und vor allem in arabischen ländern, denn welcher mann hat schon zutritt zu den frauengemächern? andererseits kann ich mich als europäerin auch meist unbelästigt in der männergesellschaft bewegen. allein reisen ist auf jeden fall eine bereicherung, abseits der üblichen trampelpfade, nicht die sehenswürdigkeiten sind sehenswert, sondern die menschen.
    ich reise gerne, vor allem allein, vor allem als frau, vor allem außerhalb der industrienationen - und kann es nur jedem und jeder empfehlen. sich einlassen auf fremde kulturen und menschen, offen sein für neue erfahrungen und den westlichen komfort als gegeben hinnehmen. daraus ziehe ich meine kraft für den alltag - auch im hamsterrad - aber auch davon kann man sich befreien, wenn man es nur wirklich will.

    • jurifi
    • 18.10.2009 um 15:29 Uhr

    moritz, bist du das??? ich düse am mittwoch wieder ab nach afrika und werde über land zurückreisen - vorzugsweise per anhalter und natürlich wie immer am liebsten allein - und das als frau. es geht und frau macht wunderbare erfahrungen dabei, gerade und vor allem in arabischen ländern, denn welcher mann hat schon zutritt zu den frauengemächern? andererseits kann ich mich als europäerin auch meist unbelästigt in der männergesellschaft bewegen. allein reisen ist auf jeden fall eine bereicherung, abseits der üblichen trampelpfade, nicht die sehenswürdigkeiten sind sehenswert, sondern die menschen.
    ich reise gerne, vor allem allein, vor allem als frau, vor allem außerhalb der industrienationen - und kann es nur jedem und jeder empfehlen. sich einlassen auf fremde kulturen und menschen, offen sein für neue erfahrungen und den westlichen komfort als gegeben hinnehmen. daraus ziehe ich meine kraft für den alltag - auch im hamsterrad - aber auch davon kann man sich befreien, wenn man es nur wirklich will.

  4. Sie haben mich an meinen letzten Urlaub erinnert:
    An die Nacht in der Kalahari als einziger Mensch im Umkreis von 50km unter unfassbaren südlichen Sternenhimmel
    Bei uns war's nun die Namib gewesen, aber die Erfahrung ist dieselbe, ich werde diese Eindrücke nie im Leben vergessen. Man bekommt dabei schon fast religöse Gefühle. Auch wegen der absoluten Stille. Man hört einfach nichts. Man wird sozusagen geerdet, gerade wenn man aus diesen Hamsterrad Arbeit, Termine, Stress, diesem rastlosen Ameisenhaufen kommt und sich in eine völlig andere Welt fallen lassen kann. Wir hatten aber auf unserer Reise auch ein Haus für AIDS-Waisen besucht und ein paar Lebensmittel, Geschenke usw. hingebracht, und der Besuch bei den Kindern war dann wiederum buchstäblich zum Heulen. Aber auch solche Erfahrungen sind wichtig, um das Bild rund zu machen.
    Leider hätte ich viel zu viel Angst, außerhalb Europas allein zu reisen, das wäre für mich dann auch wieder nur Stress, darum beneide ich die Männer sehr um diese Freiheit.

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